Carlsruhe

in Oberschlesien

Geschichte von Carlsruhe

Geschichte der Entstehung des Ortes (politische, gemeindliche)

Carlsruhe, heute Pokòj genannt, was so viel heißt, wie Ruhe oder Friede, dieser von den Herzog Carl Christian Erdmann zu Württemberg-Oels-Bernstadt usw. angebaute Ort, liegt an der Grenze des Fürstentums Oppeln, und zwar nach Herrn Professor Fabris Angabe zwischen dem Stoberbach und der Brinnitze Bach, von  Breslau ca. 60 km,  von Brieg 30 km, von Oppeln 30 km, von Konstadt 60 km, von Karlsmarkt 6 km, von Friedrichsthal oder dem damals Königlichen Kreuzburger, durch den ehemaligen Königlichen Oberforstmeister Rebdanz 1753 angelegten Hüttenwerke 11 km entfernt. Der Ort war zur damaligen Zeit kaum zu bemerken. Mehrere nannten den Ort Neufuhrwerk ein altes Wirtschaftsvorwerk, welches seit langen Jahren nebst einigen Äckern und 5 Dreschgärtnern schon da war, und zu dem knapp 4 km entfernten Dorf Krogullno, welches ein Hammerwerk hatte, gehörte. 

Die Gegend, wo jetzt Carlsruhe liegt, ist meist eben und liegt so tief, dass nur an einigen Orten Keller möglich waren, obgleich ostwärts gegen das königliche Dorf Dammratsch zu, ansehnliche Berge liegen und südwärts, noch näher an Carlsruhe, sich mehrere Anhöhen befinden. Ein dicker Fichten- und Kiefernwald umgab den Ort, hin und wieder mit Laubholz untermischt, war alles, was man hier antraf, und an vielen Orten so unzugänglich, dass weder Menschen noch zahmes Vieh, durch die dicken und vielen Moräste kaum ein durchkommen möglich war. Daher war dieses Gebiet ein Aufenthaltsort von Wild, Bären und Luchsen. Diese ganzen Wälder gehörten alle zu Krogullno und Gründorf, zwei Orte, die den Grafen von Reder, einen nahen Verwandten des Herzogs mütterlicher Seite, gehörten und die auch eine geraume Zeit, das Amt Städtel, bekannt wegen seiner alten wilden Stuterei, Pfandweise besaßen. Diese Grafen Reder ließen sich zu ihrer Bequemlichkeit bei Jagden westwärts nahe an Neufuhrwerk, ein hölzernes Jagdhaus erbauen, und dieses war alles was Herzog Carl Christian Erdmann fand, als er zur Regierung kam und gewissermaßen als Erbteil von seiner Mutter Seite, auch Städtel, Krogullno, Gründorf und Neufuhrwerk erhielt. 

Die Jagd Liebhaberei war die veranlassende Ursache zur Gründung von Carlsruhe. Weder der Herzog selbst, noch irgend jemand anders hatte damals wohl den Gedanken, dass dieser Ort so angebaut und so ansehnlich werden sollte. Der Herzog war ein Freund der Jagd, fand um Oels herum keine solchen Wälder, die seiner Jagdlust entsprochen hätten. Der Herzog kam öfter nach Städtel, wo sich damals ein großes Schloss befand, um in den dortigen großen Wäldern zu jagen. Um dieses Jagdvergnügen noch mehr zu erhöhen, ließ er im Jahr 1748 einen Tiergarten anlegen, der bei einer genauen Vermessung ungefähr 15 km im Umkreis beanspruchte. Dort ließ er Wild einfangen. Der Tierpark war mit einem 15 bis 16 Latten hohen Zaun umgeben, verschiedene Einfahrten mit Tore, die im Jahre 1749 unter der Direktion des damaligen  Jägermeisters von Hund und des Forstmeister von Wägern fertig gestellt worden war. Die Entstehung von Carlsruhe begann im Jahre 1748, nach der Anlage des Tiergartens. 

Gründorfer Allee

Zur gleichen Zeit als dieser Tiergarten angelegt wurde, ließ der Herzog teils durch Leute aus der Umgebung, teils durch einige hundert Mann beurlaubte Soldaten des damaligen von Hauptcharmoischen später von Klinkowsströmschen Infanterie-Regiment, die Alleen schlagen, die den ganzen Tiergarten an mehreren Orten durchkreuzten, und von denen acht große Hauptalleen, auf einen Punkt, wo damals das Schloss stand, zusammenlaufen. Jede dieser acht Hauptalleen ist 40 Schritt breit, in ihrer Länge aber verschieden. Zwischen diesen sind Rebenalleen, die von den Hauptalleen aus, seitwärts zur rechten und zur linken Hand in die Quere gehen und zwar zuerst eine, dann in einiger Entfernung zwei, und noch weiter hin drei, die sich stets miteinander durchkreuzten, so dass, wo die letzten drei sich durchschneiden, allemal ein großer, so genannter Stern gebildet wurde. Diese Rebenalleen sind 20 Schritte breit, und haben alle ihre besonderen Namen nach der Gegend, Bestallung oder den Örtern, an welchen sie liegen. Die längste davon, Marienallee genannt, ist fast ein Kilometer lang und war eine der ersten, hatte auch gegen Gründorf zu ein Einfahrtstor, welches von Städtel aus das nächste war, um in den Tiergarten zu kommen. Zur linken Hand des Tores im Tiergarten selbst befanden sich Rasenbänke und ein Tisch, wo der Herzog mit seiner Gemahlin  sehr oft Tafel hielt. Da sie aber zuweilen durch Wind und Wetter ausgesetzt wurden, und sich über dieses, nur mit kalter Küche behelfen mussten, so gab dieser Anlass dazu, einen bequemen vor ungestümer Witterung gesicherten Aufenthalt zu errichten. 

Carlsruher Schloss

Die acht Hauptalleen, die bei dem Schloss zusammen laufen sind: 

  1. Die Herrn- später Luisenallee genannt
  2. Die Schlossallee
  3. Die Charlottenallee
  4. Die Gründorfer - Allee
  5. Die Krogullner - Allee
  6. Die Wiesenallee
  7. Die Wilhelminenallee
  8. Die Sophienallee

Später waren noch mehr Alleen geschlagen worden, um Aussichten auf gewisse Orte zu haben. So wurde eine zwischen der Wilhelminen- und Sophien - Allee gehauen, um von dem Schloss aus, das Schlösschen auf der Sophieninsel sehen zu können; eine zweite zwischen der Sophien- und Herrenallee, wurde nach dem Schlösschen auf dem Schwedenberg, eine dritte in eben dieser Gegend nach dem Winzerhaus und Salon auf dem Weinberg, eine vierte, um von dem Apollo Tempel im englischen Park, die Kirche sehen zu können, eine fünfte, um von dem Salon auf dem Weinberg die Aussicht auf die Sophieninsel zu haben, eine sechste von dem Schwedenberg nach eben dieser Insel ausgehauen. 

Weinbergschloss 

In den Tiergarten führen verschiedene Einfahrtstore; an den meisten davon stehen Häuser, deren Bewohner dafür Sorge tragen mussten, dass die Tore gehörig zugehalten werden, zwei Tore aber an denen niemand wohnt, werden stets verschlossen gehalten. 

Zur besonderen Aufsicht über den Tiergarten wurde gleich anfänglich ein besonderer Tierwärter nebst vier so genannten Holzvögten angesetzt. Letztere wohnten an den Einfahrtstoren und hatten die Pflicht auf sich, jeden Morgen einen Teil des Tiergartens zu umgehen, um nachzusehen: ob der Zaun schadhaft geworden war durch Wölfe oder andere schädliche Tiere, oder sich in den am Zaun befindlichen Fuchs- und Marderfallen etwas gefangen hatte. Alle kamen an einem bestimmten Ort zusammen, statten den Tierwärter Bericht ab, und bessern dann entweder aus, was schadhaft geworden war, oder wurden sonst zu anderen herrschaftlichen Arbeiten veranlasst. 

In gewissen Entfernungen von einander, wurden auch bald an dem Tiergartenzaun kleine Hochsitze über den von außen eine Treppe führt, um aus diesen unbemerkt Wild schießen zu können, gebaut. 

Um diese Tiere im Winter bei tiefen und hart gefrorenen Schnee nicht Hungern zu lassen, wurden einige verdeckte, von den Seiten aber offene Schuppen erbaut, in welchen ihnen bei ganz harter Witterung Heu vorgelegt wurde, welches sie sich auch ohne Furcht, recht gut schmecken lassen. Überhaupt war das Wild in dem Tiergarten so zahm, dass er es oft bis vor die Häuser kam und sich zu 15, 20 Stücken zusammen trafen, selbst bei Menschen bis auf 10, 20 Schritt nahe an sich heran kamen ließen. Hätte der harte Winter zwischen 1785 und 1786 der Wildbahn nicht so sehr geschadet, so würde die Anzahl des Wildes im Tiergarten noch stärker sein. Über dieses hat der Herzog wenige Jahre vor seinem Tod das Dammwild herausschießen lassen, um diese Gattung zu vermindern. 

Bei den meisten Arbeiten und Einrichtungen des Tiergartens war der Herzog, da er sich viel in Städtel aufhielt, persönlich zugegen kam jeden Morgen zeitig bei den Arbeitern an, speiste mittags, wie bereits gesagt worden, unter freien Himmel, und ritt oder fuhr abends wieder nach Städtel zurück. Um nun nicht immer und jeden Tag zurück kehren zu müssen und überhaupt mehr Bequemlichkeit zu haben, entschloss er sich, im Tiergarten selbst, und zwar in der Mitte des Flecks, wo die acht Hauptalleen zusammentreffen, ein Jagdschloss zu erbauen, wozu am 18. März 1749 der Grundstein gelegt, und welches am 3. April 1750, am Geburtstag der Herzogin eingeweiht wurde. 

Dieses Schloss war nur von Bindwerk, mit Ziegeln und mit  Brettern verschält, zwei Etagen hoch, und oben mit einer Kuppel versehen, der Grundriss aber bildete ein Viereck, an den Ecken mit Rundelen. Die untere Etage enthielt einen großen Saal, in welchen vier Türen nach außen führten, die so angelegt waren, dass wenn sie offen standen, man durch jede Tür in eine Hauptallee sehen konnte. In den Saal stießen vier Kabinette, die in den vier Rundelen lagen, für die Herrschaft, und unter einem derselben befand sich ein kleiner Keller. Die obere Etage ist fast eben, doch der Saal etwas kleiner gewesen. Das ganze Gebäude war mit einem Graben, über welchen zwei Zugbrücken führten, und mit Palisaden umgeben. Das Schloss war noch nicht ganz ausgebaut, als es am 31. Oktober 1751 aus versehen ein Feuer ausbrach, welches, da noch wenig Brunnen vorhanden waren, nicht gelöscht werden konnte. Der Herzog ließ es auch gern brennen, und befahl nur die Sachen zu retten, weil er gleich den Gedanken hatte, ein größeres und besseres zu erbauen. Als dieses geschah, hatten teils andere Leute, teils der Herzog, bereits verschiedene Häuser in den Alleen erbaut, ja selbst nahe am Schloss, zwischen der Herrn- und Schlossallee, stand schon  ein herrschaftliches Haus, welches nun nach dem Brand von der herzoglichen Familie bewohnt wurde; auch war ein eben solches Haus zwischen der Krogullner- und der Wiesenallee aufgeführt worden, in welchem sich die Küche befand. Zu dieser blieb Carlsruhe noch immer ein unbedeutender Waldort, und erst mit dem Aufbau des neuen Schlosses fing der Ort an sich zu heben. 

Bodenart im Ort und in der Umgebung 

Vor der Gründung des Ortes waren ringsum ungeheure Waldungen, die einen Teil des in früheren Jahrhunderten als Schutzwall gegen die Slaven angelegten, Preseka genannten Waldgürtels bildeten. Diese Wälder gehörten zum Teil der Mutter des Herzogs Carl Christian Erdmann, einer geborenen Gräfin Reder und gelangten durch Erbfall in den Privatbesitz des Herzogs. In der dortigen Gegend bestand nur das an der Südostgrenze Carlsruhes noch heute gelegene, Waldvorwerk mit etwa 50 Bewohnern. Auch heute noch ist der Ort ringsum von Wäldern umgeben, aus denen der Schlossplatz und acht Straßen strahlenförmig herausgeschlagen sind.

Es war im Jahre 1780, als die Herzoginnentochter, die Gemahlin des Herzogs Friedrich von Braunschweig (Oels) nach langjähriger Abwesenheit nach Carlsruhe kam und sehr darüber erstaunt war, dass sich dieser Ort so prächtig entwickelt hatte. Ihrer Meinung nach fehlte zu einer Residenz nur noch eines: ein Weinberg. Mit dieser Frage hat sie den Herzog auf eine Idee gebracht.  

Kaum hatte der Besuch Carlsruhe wieder verlassen, da kam am 7. September 1780 - von der herzoglichen Kammer befohlen - der Weingärtner Eberhard, ein geborener Württemberger, als Sachverständiger nach Carlsruhe. Als besten Platz für einen Weinberg bezeichnete Eberhard die Gegend bei und um die alte Wolfsgrube. Der Herzog war mit der Ortswahl einverstanden, und man begann sofort mit der Arbeit. Der Wald wurde geschlagen, Erde wurde angefahren, und bald umgab ein neun Ellen hoher Zaun das Ganze, um ungebetene Gäste des Waldes fernzuhalten. Und bereits im Frühjahr 1781 brachte der württembergische Weingärtner 20.000 Rebstöcke edelster Sorte nach Carlsruhe und pflanzte sie an den vorbereiteten Ort. 

Schon am 8. Oktober des gleichen Jahres konnte der erste Wein gekeltert und sechs Eimer Wein in den herzoglichen Schlosskeller abgegeben werden. Im darauf folgenden Jahr waren es bereits 37 Eimer Wein. 

Draußen auf dem Weinberg entstand 1784 ein Haus mit einer Wetterfahne. Das war die Wohnung, die für den Weingärtner Eberhard erbaut worden war, damit er nach Carlsruhe übersiedeln konnte. Und nun saß er mitten in seinem Handwerk, konnte Stöcke und Obstbäume pflegen, die er auf dem Weinberg selbst gepflanzt hatte. Er konnte die Früchte selbst ernten, Obst und Trauben verkaufen, den Wein keltern und den Besuchern von Carlsruhe weiße und rote Weinproben anbieten. 

So hatte Carlsruhe einen Weinberg, einen Weinausschank und eine Weinlese, die ein ungemein seltenes Fest in der weiten Umgebung war und an dem sich die herzogliche Familie mit den Bürgern vereinte. Welche Lust, welcher Frohsinn mag da in den Wäldern widergeklungen sein. Welch schönen Anblick mögen die Winzerinnen gewährt haben, wenn sie mit ihren Tragekörben durch die Reihen der Weinstöcke gingen und einsammelten, was mühevolle Arbeit und die Sonne hier geschaffen hatten.  

Da sich in den letzten Jahren die Volksmenge durch die Anlage von friderizianischen Kolonien sehr vermehrt hatte und Obst und Wein in den neuen Dörfern noch fehlte, hatte der Herzog angeordnet, dass so viele Trauben, als verlangt würden, zu verkaufen waren. Die Bewohner von Carlsruhe und der umliegenden Dörfer, wie auch Fremde von weither, kamen gern zur Weinlese und besuchten nun die gesamten Gartenanlagen noch lieber als bisher. 

In all dem Treiben stand das Schlösschen, wo die herzogliche Familie dem frohen Leben nahe war. Ein schönes Fleckchen Erde. Regehly schrieb: "Man hat in der Tat auf diesem Platz eine Aussicht, die wenige ihres gleichen haben mag! Grüne fruchtbringende Felder, ein majestätischer Wald, der Zeuge von dem war, was noch vor wenigen Jahren die ganze Gegend war, die hell glänzenden Spiegelflächen des großen Teichs, prachtvolle mit Blumen übersäte Wiesen, anlockende Gebäude und Gartenpartien, auf einer Seite vielleicht eine grasende Herde Vieh und auf der anderen den mühsamen Schnitter; hier lustwandelnde Gesellschaften, Spaziergänger, dort eine schiffende niedliche Gondel mit frohen Menschen, wechseln mannigfaltig von einander ab." Und wenn dann der Abend sich nieder senkte, erstrahlten drüben vom Leuchtturm vier von Drachenköpfen gehaltene Laternen, deren Schein sich im Wasser widerspiegelte". 

Das war die Blütezeit des Weinberges, um die Wende des Jahrhunderts. Dann ist die Anlage bald einem strengen Winter zum Opfer gefallen oder einem wankelmütigen Frühling und der allgemeinen Not des Vaterlandes. 

Nach den Befreiungskriegen ist der Weinbau so sehr zurückgegangen, dass kaum noch Trauben zum Naschen gefunden werden konnten. 

Und als es dann ganz still da draußen war, wanderte in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts Herzog Eugen gern hierher. Da saß er in Ruhe, im Stuhl zurückgelehnt. Berge Folianten lagen auf Tischen und Stühlen. Offen stand die Flügeltür. Und seine Blicke schweiften hinaus und hinab in das herbstliche Land über Weiher und Wald, und in seinem Inneren schaute er zurück auf sein bisheriges Leben. - 

Und so entstand, dem empfindsamen Geschmack des Rokoko entsprechend, auch dieser Weinberg. Der Wunsch der fürstlichen Besitzer war eben, auch die Natur nach dem romantisierenden Geiste des Rokoko umzugestalten und die Parkanlagen so allmählich in den freien Wald überleiten zu lassen. 

Kam man als froher Wandersmann nach Carlsruhe, dann wurde man von einem schönen Wald empfangen, der einen den ganzen Tag nicht mehr freigab. Das Blätterdach starker Eichen und schöner Ahornbäume wölbte sich über die schnurgeraden Straßen, an denen einige bemerkenswerte Gebäude standen. 

Nach allen Seiten hin konnte man stundenlang wandern, ohne je das Ende der großen Wälder zu erreichen. Die herzoglichen Reviere zeigten meist nicht das übliche Schablonenhafte der staatlichen Wälder, in denen bei der Aufforstung der Kahlschläge allein Kiefern und Fichten bevorzugt wurden und aus denen so fast sämtliche Laubbäume verschwunden sind. In den württembergischen Forsten war schon immer eine gewisse Dauerwaldwirtschaft betrieben worden, indem man schöne, kräftige Bäume beim Einschlag des Holzes verschonte und sich weiterentwickeln ließ. So fand man alte, prächtige Eichen und Buchen, Eschen und Lärchen überall in den Beständen. Die hohen, auf ebener Landschaft emporragenden Mischwälder  voller Nadel- und Laubbäume waren erfüllt von Rehen, Hirschen, Hasen und Fasanen. Und in den Waldbächen und Teichen konnte man Forellen und Hechte bewundern. 

Hinter dem Schießhaus im englischen Garten wurde das Auge erfreut durch mächtige Weymouthskiefern und Rottannen von solch stattlicher Größe, wie man sie wohl nur selten antraf. Wanderte man weiter in östlicher Richtung, so reihte sich ein schönes Landschaftsbild an das andere. Man kam in eine Gegend, wo so mancher Kulturflüchter aus der Vogelwelt eine letzte Existenzmöglichkeit gefunden hatte. Wenn man Glück hatte, konnte man den Schwarzstorch und den Fischreiher beobachten, konnte Eulen verschiedener Art und auf den weiten Wasserflächen Wasserhühner und Zwergtaucher zu Gesicht bekommen. Im Frühjahr bis tief in den Mai und dann wieder im Spätsommer und Herbst verweilte in diesem Gebiet der Fischadler, um seine Beute aus den mit Schleien und Karpfen besetzten Teichen zu holen. 

Am Marienteich fand der Botaniker so manche Seltenheit der oberschlesischen Flora. Pflanzen, die unter Naturschutz standen, kamen hier im nahen Walde noch in reichlicher Menge vor. 

Jenseits der Eisenbahnstrecke Schwarzwasser - Carlsruhe boten sich, namentlich zur Blütezeit der Heide, dem sinnigen Naturfreund prächtige Landschaftsbilder, die man in der Stille der Wälder so recht genießen konnte. 

Und auf dem Sophien- und Friederikenteich konnte man im Juli und August Seerosen finden, die ihre großen, weißen Blütensterne weit geöffnet hatten. 

An den Abenden, kurz, bevor die Sonne in das Wäldermeer versank, wenn die Abendschatten der Baumriesen sich auf die dunklen Wasser legten, wenn die Enten im Röhricht laut wurden, um sich zum Abendausflug zu rüsten, konnte man hier ein Stündlein wahrer Waldesandacht durchleben. 

Bebauungsart und Siedlung

Gleich dem älteren Stadtteil der badischen Hauptstadt Karlsruhe zeigt auch der Marktflecken Carlsruhe in Oberschlesien die von dem Hauptschloss als Mittelpunkt ausgedehnte strahlenförmige Anlage. Rings um den runden Schlossplatz standen zwischen den Straßenanfängen sieben in gleichen Stil erbaute Kavelier Häuser, das achte Gebäude, dass Hoftheater, ist abgebrannt und nicht mehr ersetzt worden. Eine Straße war unbebaut geblieben und später gesperrt worden. An den anderen sieben Alleen, von denen jede nach etwa 1,5 - 2 km Länge im Wald endet, standen die zum größten Teil einstöckigen Bürgerhäuser in Zwischenräumen von 100 bis 200 m, in Gärten liegend, die die Alleen miteinander verbindenden Straßen und Gässchen sind ebenso lose bebaut. Durch diese Bebauungsart erhielt der Ort eine Ausdehnung, die derjenigen von mittleren Städten gleich kommt und sich für die postalische Zustellung verhängnisvoll auswirkt. 

Kavelierhaus 

Im 1924 bestand im nördlichen Ortsteil eine von einer privaten Siedlungsgenossenschaft, die inzwischen aufgelöst ist, geschaffene Siedlung von fünf Zweifamilienhäuschen, zu der sich bald noch drei weitere Privathäuschen ähnlichen Stiles gesellten. Auch im Südosten des Ortes hatte sich in den 1920er Jahren ziemlich rege Bautätigkeit entwickelt.

Klima und Bad 

Carlsruhes Klima ist trotz der geringen Höhenlage des Ortes durch den ausgleichenden Einfluss der schützenden großen Waldungen als sehr günstig zu bezeichnen, da die große Reinheit der Luft von schädlichen Bestandteilen und die Beständigkeit in ihrem Feuchtigkeitsgehalt auf das Wohlbefinden der Menschen den besten Einfluss ausüben und den Ort dadurch zum klimatischen Kurort stempeln. Dies hatte der Sanitätsrat Dr. Freund auch erkannt und infolgedessen im Jahre 1850 ein Bad aus eigenen Mitteln eingerichtet, das seitdem mit seinen stärkenden Kiefernadeln- und anderen Bädern schon vielen Tausenden Genesung und Kräftigung gebracht hatte. Das später in den Besitz der Herrschaft übergegangene Bad ist seit dem Jahre 1927 von der zu diesem Zweck gegründeten „gemeinnützigen Erholungsheims-Genossenschaft für Bergbeamte Oberschlesiens GmbH" auf 18 Jahre gepachtet und bei der Übernahme den neuzeitlichen Ansprüchen entsprechend umgebaut worden.

Unter seiner überaus tätigen und umsichtigen Leitung nahm das Bad bald einen höchst befriedigenden Aufschwung. Da sich aber die Hoffnungen auf den Eisenbahnbau Brieg - Kreuzburg nicht erfüllten und Dr. Freund auch bereits ein bedeutendes Vermögen seiner Idee geopfert hatte, ging 1861 das Bad für 5.000 Taler in herzoglichen Besitz über. Die herzogliche Verwaltung nahm sich des Bades zunächst kräftig an. 1864 zählte Carlsruhe bereits 744 Badegäste. Es stand so mit auf gleicher Höhe mit dem zweiten oberschlesischen Bad Ziegenhals. Der Badebetrieb ruhte auch im Winter nicht, doch verzeichneten die Monate Juni und Juli natürlich den besten Besuch. Das Bad hatte einen treuen Stamm an Gästen, die es alljährlich besuchten. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts sah man oft bedauernswerte Kranke, die sich aber schon nach 4 bis 6 Wochen wieder bester Gesundheit erfreuten. Der Nachfolger Dr. Freunds als Badearzt war Dr. Carl Graber. Im Jahre 1890 zählte man 1244 Tagesgäste. In dieser Zeit brachten Sonntags-Sonderzüge auf der erst 1889 eröffneten Eisenbahnstrecke Jellowa - Carlsruhe Scharen von Besuchern, besonders aus Oppeln und aus Breslau. Carlsruhe, das am Ende des 19. Jahrhundert durch Theater, Kapelle und Park viele Besucher angezogen hatte, war nun durch sein Bad und seinen Park erneut ein beliebter Ausflugsort geworden. Großstädtische Unterhaltungen und die Vergnügungen eines Weltbades waren natürlich in Carlsruhe nicht vorhanden. Das Bad bot aber eine ungezwungene Geselligkeit, mannigfaltige Unterhaltung und kleine Vergnügungen, die jede Kur gewiss günstig beeinflussten. Das Kiefernadelbad hatte eine eigene Kurkapelle, die zweimal in der Woche Konzerte gab und so den Kurgästen Abwechslung bot, während sie in den Parkanlagen umher spazieren konnten. Für Freilichtspiele wurde die Heimgartenspielschar gewonnen. In Carlsruhe gab es auch eine Volksbücherei und eine Leihbibliothek. Und ein bis zweimal wöchentlich gab es Kinovorstellungen im Hotel "Zum Schwarzen Adler". 

Schwarzer Adler 

Carlsruhe war also ein Badeort, in dem nicht nur die herrliche Luft Genesenden und Müden erquickende Blutauffrischung brachte. Eine besondere Wirkung hatten die Kiefernadelbäder. Ein Kuraufenthalt in Carlsruhe kam bei folgenden Leiden in Betracht: in erster Linie bei rheumatischen Beschwerden, dann als Rekonvaleszenz nach schwerer Erkrankung, Operation, Wochenbett, bei Blutarmut, Nervosität und Katarrhen der oberen Luftwege, ferner bei allgemeinen Erschöpfungszuständen. 

In dem Badehaus wurden neben Kiefer- und Fichtennadel-, Kohlensäure- und Sauerstoffbädern auch Moorbäder verabreicht. Es gab Einrichtungen für elektrische Behandlungen, einschließlich Diathermie und Höhensonne, für Heißluft- und Dampfbäder, Einzel- und Gemeinschaftsinhalatoren sowie Einrichtungen für Kneipp'sche Kuren.  

Ein besonders schöner Sport war das Rudern auf den mehrere hundert Morgen großen Teichen. Im Winter traten dann anstelle des Wassersports der Eissport und das Rodeln. – 

Im Jahre 1925 wollte die gemeinnützige Erholungsheim-Genossenschaft für Bergbeamte Oberschlesiens GmbH zu Beuthen ein Erholungsheim in Carlsruhe einrichten.  

Die Herzoglich-Württembergische Generalverwaltung stellte dem Verein das ganze Bad zur Verfügung. Bald wurde nun der Umbau des Kurhauses vorgenommen, der Ausbau des Badehauses und der Logierhäuser sowie die Wiederherstellung des Weinbergschlösschens wurden eingeleitet.

Kurhaus 

Wohnbevölkerung und konfessionelle Zusammensetzung 

 Die erste bekannte Einwohnerzahl Carlsruhes stammt aus dem Jahre 1792 und gibt 845 Bewohner an. Von da bis 1871 ist die Angabe amtlicher Einwohnerzahlen nicht möglich, da nach Auskunft des Statistischen Reichsamtes bei den damaligen Volkszählungen die Bevölkerung der kreiszugehörigen Landgemeinde nicht Gemeindeweise gezählt wurde. In der unten stehenden Tabelle sind daher erst die Zahlen von 1871 als amtlich zu betrachten alle Zahlen aber umfassen auch denn am 28.12.1927 eingemeindeten Gutsbezirk Carlsruhe. Man zählte: 

1792

   842 Einwohner

1798

   952 Einwohner

1811

1 423 Einwohner

1871

2 531 Einwohner

1875

2 336 Einwohner

1880

2 349 Einwohner

1885

2 201 Einwohner

1890

2 395 Einwohner

1895

2 536 Einwohner

1900

2 550 Einwohner

1905

2 543 Einwohner

1910

2 523 Einwohner

1919

2 568 Einwohner

1925

2 578 Einwohner

1935

2 625 Einwohner

Nach der Gründung des Ortes durch den evangelischen Herzog Carl Christian Erdmann war die Bevölkerung fast ausschließlich evangelisch. Bald machte sich jedoch der Zuzug aus der überwiegend katholischen Umgebung bemerkbar. Acht Jahre später, 1757, befanden sich bereits 20 Katholiken darunter, die 1792 schon auf 200 angewachsen waren. Die Angaben der nachstehenden Übersicht beruhen vom Jahre 1871 ab auf den bereits vorher erwähnten Mitteilungen  des Statistischen Reichsamtes in Berlin. 

Religionszugehörigkeit 

Jahr

Evangelisch

Katholisch

Jüdisch

Andersgläubige

1757

 

20

-

-

1792

645

200

-

-

1799

722

230

-

-

1811

1 100

309

14

-

1871

1 496

888

139

8

1880

1 380

831

123

15

1885

1 359

747

95

-

1890

1 450

859

86

-

1895

1 520

935

81

-

1900

1 492

1 002

55

1

1905

1 531

957

55

-

1910

1 336

1 087

58

42

1925

1 268

1 305

44

10

1933

1 274

1 326

29

11

Bei den Volkszählungen der Jahre 1875 und 1919 ist die Religionszugehörigkeit nicht ermittelt worden. Bei der Zählung von 1925 tritt zum ersten Mal die zahlenmäßige Überlegenheit der katholischen Bewohner in Erscheinung. Die Zahl der Juden war 1871 am größten und sank seitdem andauernd. Historisch wertvoll ist die Tatsache, dass die ersten Carlsruher Juden sich wohl tagsüber in Carlsruhe aufhielten und ihre Geschäfte betreiben konnten, dass sie aber den Ort, der mit Innen- und Außentoren versehen war, abends vor Torschluss verlassen mussten. Der Herzog hatte ihnen zu diesem Zwecke in dem 9 km entfernten Dorf Städtel (Kr. Namslau), wo er auch ein älteres Jagdschloss besaß, eine ganze Reihe kleiner Siedlungshäuser gebaut, die sie bewohnen mussten. 

Behörden 

1935 bestanden hier: Post- und Telegrafenamt, Reichsbahnstation Amtsgericht, Kreisschulamt, Katasteramt, Arbeitsamt, Notariat, Gendarmeriehauptstation; zwei Amtsvorstände, Nebenstelle der Kreissparkasse, Gemeindevorstand, evangelische Volksschule mit privater höherer Schule, katholische St. Eugeniuskirche, Synagoge, katholisches Erzpriesteramt, kath. Kloster der Armen, Schulschwestern mit Haushaltsschule, kath. St. Annastift, evangelisches Gemeindehaus, katholisches Vereinshaus, Simultankrankenhaus Helenenstift mit Altersheim Helenenheim und Mathildenheim, Generalsverwaltung, Rentamt und Forstamt des Herzogs von Württemberg, Carlsruher Bank, Rechtsanwalt, drei praktische Ärzte, eine Zahnärztin, zwei Dentisten. 

Amtsgericht  

Besondere Brauchtümer 

Zu einem wahren Volksfest gestaltete sich das alljährlich im Juli statt-gefundene zweitägige Königsschießen der 1765 gegründeten, Schützengilde, deren - zumeist stark aktive  - Mitglieder stets die Herzöge und die männlichen Angehörigen des kleinen Hoftheaters waren.  

Einen stillen und wenig ins Auge fallenden, aber sehr sympathischen Ortsbrauch zu vermerken, betrachtete sich als Pflicht des gewissenhaften Chronisten, nämlich die Bitte, bei Beerdigungen ohne Rücksicht auf Alter, Konfession und Stand des Toten während des Vorübergehens des Leichenzugs die Geschäftseingänge und Schaufenster durch Rollläden oder Vorhänge zu schließen. Doch dazu später mehr. 

Krankheitsepidemien 

Carlsruhe hat in seiner verhältnismäßig jungen Geschichte nur die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts allenthalben aufgetretene Choleraepidemie zu spüren bekommen. Diese muss auch hier zahlreiche Opfer gefordert haben, denn es wurde an einer entlegenen Stelle und zwar am Nordende der Kirchenallee „Unter den Huschken“ ein besonderer Cholerafriedhof eingerichtet. Das auf diesem Friedhof errichtete Bahrenhäuschen  wurde nach Schließung des Friedhofes 1835, auf den jetzigen evangelischen Friedhof überführt. 

Entwicklung der Erwerbszweige, Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe 

Hauptnahrungszweige der Ortsbewohner sind Gewerbe und Ackerbau. Daneben befasst sich in den früheren Jahren im Sommer ein großer Teil von ihnen mit dem einträglichen Vermieten von Zimmern an die Badegäste und Sommerfrischler.

Der Wochenmarkt, zwei Jahrmärkte und vier Viehmärkte gaben den Gewerbetreibenden und den Landwirten Gelegenheit zum Absatz ihrer geringen Erzeugnisse. Der leichte sandige Waldboden macht die Landwirtschaft wenig ergiebig, den Obstbau ganz unrentabel. Nur Gemüse und Beerenfrüchte können einigermaßen lohnend angebaut werden und finden Absatz. Die ungeheuren Wälder ringsum so wie ihr großer Pilz- und Beerenreichtum boten vielen Menschen Arbeit und Verdienst, ebenso eine Fabrik, eine Ziegelei und mehrere Sägewerke der nächsten Umgebung. Zahlreiche Handwerker, darunter acht Bäcker, acht Fleischer und sieben Tischler auskömmliche Nahrung. An industriellen Werken waren nur vorhanden: eine Waldwollfabrik, eine Dampfziegelei, mehrere Sägewerke und eine Schuhfabrik. 

Hauptabsatzgebiete 

Die in der dortigen Waldwollfabrik aus Kiefernadeln hergestellte Waldwolle wurde zur Polsterung der Eisenbahnpersonenwagen an die Reichsbahn geliefert. Diese Fahrt stellte fast ein Unikum dar, da innerhalb Deutschlands nur noch eine solche Fabrik, in Westdeutschland, bestand. Als Nebenprodukte erzeugt sie aus den Nadeln ätherische Öle und Essenzen. Die Erzeugnisse der Dampfziegelei und der Sägewerke fanden am Ort und in der Umgebung reichlichen Absatz. Die fertigen Schuhfabrikate wurden durch die Post an auswärtige Firmen abgesetzt.

Zahl der Handelsgeschäfte 

"Carlsruhe, Gerichtsjahr 1793, Stempel aus neuerer Zeit: im rechten Feld 3 schwere Hirschgeweihe in Gold (Württemberg), im linken Feld ein halber Adler, wohl der preußische, da er auf dem Stempel deutlich gekrönt ist und einen Reichsapfel hält."

Und im Verwaltungs- Handbuch von Oberschlesien, zusammengestellt von A. Burkert im Jahre 1917, stand folgendes:

"Carlsruhe, Gemeinde und Gut (31 km bis Oppeln) mit Schwedenschloss, Sophieninsel, Waldvorwerk, Hoffmannsruh, Weinberg, Bad mit Kurhaus und Logierhäusern. Amtsbezirk, Eisenbahn, Standesamt, Amtsgericht, evangelische Kirche am Ort; Pastor Hofprediger Suchner, katholische Kirche am Ort; Pfarrer Raczek. Eine evangelische Schule mit 4 Lehrern. Hauptlehrer Schreiber. Eine katholische Schule mit 3 Lehrern. Hauptlehrer Jorek. Höhere private Mädchenschule (mit Knabenunterricht in den untersten Klassen) und Haushaltungsschule mit Pensionat, Leiterin Fräulein Adele Fischer, außerdem 2 Hilfslehrer. Gemeindevorsteher Stiller. Gutsbesitzer König Wilhelm II. von Württemberg; Vorst.-Stellv. Baer. 2113 und 442 Einwohner --- Amtsgericht. Amtsrichter Pfeiffer. Amtsanwalt Hofrat Schmidt. Sekretär Weber, erster Gerichtsschreiber und Funktionsrendant Grätz, Sekretär. Rechtsanwalt und Notar Dr. Friedrich, Post mit Fernsprecher und Unfallmeldung am Ort, Verwalter Postsekretär Marsch. Zollamt 1. Klasse, Oberzollkontrolleur Zenzytzki, Oberzolleinnehmer Schrader, katholischer Kreisschulinspektor Schulrat Reimann, Katasteramt: Kat. - Kontroll. Steuerinspektor Willmann, Kreissparkassen Nebenstelle, Spar- und Darlehnskasse, Ärzte Dr. Tiralla und Kluger. Tierarzt Kuske, Apotheke, Gemeinde-Gaswerk, Großdestillation und Obstweinfabrik mit Elektrizitätswerk, Holzwollfabrik, Güterverwaltung Sr. Majestät König Wilhelm von Württemberg. Schlosshauptmann von Oppeln, Generalbevollmächtigter, Forstmeister Wilde. Hofrat Schmidt, Oberwildmeister Wandrey, Rentamtssekretär Stade. Gutsvorsteher Baer, Baumeister Schönbeck, Hausmeisterin: Verw. Frau Badeinspektor Lorenz, Stallverwalter Rosenblatt, Hofgärtner Glatz. Badepächter Claas." 

Hotel Stadt Meinungen 

Im Jahre 1925 zählte Carlsruhe 2245 Einwohner und bereits im Jahre 1928 waren es 2627 Einwohner. Gemeindevorsteher in dieser Zeit war Herr Paul Stiller und als Amtsvorsteher fungierte Herr Baer. 

Um das Jahr 1929 gab es in Carlsruhe folgende Hotels: Hotel "Stadt Meinungen" an der der Kaiserinallee, etwa 10 Minuten vom Bahnhof entfernt, das älteste Gasthaus am Ort, wurde 1794 als herzogliche Gaststätte gegründet. Dieses Hotel diente hauptsächlich zur Unterbringung der Gäste, die als Besucher des Hoftheaters nach Carlsruhe kamen. An der Schlossallee, etwa 20 Minuten vom Bahnhof entfernt, befand sich das Hotel "Zum Schwarzen Adler", und an der Luisenallee, etwa 30 Minuten vom Bahnhof entfernt, gab es "Hensels Gaststätte". 

An der Oppelner Chaussee befand sich das Albrecht-Eugen-Bad mit Logierhäusern und Baderestaurant. Pächter in dieser Zeit war die Gemeinnützige Erholungsheim Genossenschaft für Bergbeamte Oberschlesiens e.G.m.b.H. zu Beuthen O/S. 60 Zimmer mit 85 Betten standen zur Verfügung. Kurdirektion, Gesellschaftsräume und Lesezimmer befanden sich in der Paulsburg. Kiefern- und Fichtennadelextrakt-Bäder, Moorbäder aus eigenem Pflanzenmoorlager, Kohlensäurebäder, alle medizinischen Bäder und Elektrotherapie wurden angewendet. Unweit davon auf den Seen waren Ruder- und Angelsportmöglichkeiten vorhanden. Es gab auch eine Freibadeanstalt. Private Logierhäuser gab es im Ort. Folgende Kirchen standen zur Verfügung: die evangelische Sophienkirche mit Gruft der herzoglichen Familie, die katholische Kirche an der Sophienallee und die Synagoge an der Kirchallee. Als Betriebe existierten in Carlsruhe: Sägewerk Hans Nogossek an der Straße, die nach Gründorf führte, Sägewerk Kempler an der Straße, die nach Jaginne führte, Obstweinfabrik in der Luisenallee, die Herrn Kraemer gehörte, und die Waldwollfabrik Firma Graetzer an der Oppelner Allee. 

Laut statistischem Jahrbuch (29. Bd., Berlin) zählte Carlsruhe 1933 insgesamt 2711 Einwohner und laut "Amtlichem Gemeindeverzeichnis für das deutsche Reich" waren es am 16. Juni 1939 nur noch 2640. 

Im Jahre 1939 unterrichteten an der katholischen Schule die Lehrer Janski Thomas, Gladnisch Emil, Nowak Franz und die Lehrerin Paul Käthe. Und an der evangelischen Schule erteilten in dieser Zeit die Lehrer Kubitz Max, Peters Max und Scherzberg Willy Unterricht.

Neben den hiesigen Einwohnern bildeten Carlsruhes für weit über 10.000 Menschen der umliegenden Dörfer einen wirtschaftlichen Mittelpunkt. Aber Carlsruhe war keine Stadt, es besaß zwar gewisse Marktrechte, aber kein Stadtrecht. Die Bauern der Dörfer boten an Wochenmärkten auf dem Kirchplatz, zum Teil auch auf den Alleen am Schloss, ihre Erzeugnisse an und kauften Textil- oder Töpferwaren ein, wie es auf schlesischen Wochenmärkten üblich war. Und zweimal im Jahr fand in Carlsruhe ein Jahrmarkt statt. 

Typische Eigenheiten des Erwerbslebens 

Die allenthalben herrschende Wirtschaftsdepression fand hier durch das gänzliche da nieder liegen des Bade- und Sommerverkehrs sowie dadurch, dass der Herzog mit seiner Familie und dem kleinen Hofstaat seit einigen Jahren Carlsruhe ganz verlassen hat und nach Württemberg übergesiedelt war, eine besonders starke, für den Ort typische Auswirkung.

Höfische Feste der kleinen Residenz Carlsruhe im 18. Jahrhundert

Kaum war das Schloss zu einfach ländlichem Aufenthalt hergerichtet, da ging der Herzog an die weitere Ausgestaltung seines Residenzortes, und in wenigen Jahren wuchs ein Fürstensitz aus der Waldwildnis, von dessen Pracht und Gediegenheit man sich heute nur eine schwache Vorstellung machen kann. 

Um der Gegend das Sumpfige zu nehmen, wurden Teiche angelegt. Zu gleicher Zeit mit dem zweiten Schloss wurde der Hirschteich vollendet, dessen Spiegel man vom ursprünglich flachen Dach des Schlosses blinken sah. Zwei Jahre später sind die beiden großen Teiche, Sophien- und Friederikenteich, fertig gestellt worden und auf einer Insel im Sophienteich erhob sich das Sophienschlösschen, das einen Saal, einige Kabinette und eine Küche enthielt. Kastanien beschatten bald den Vorplatz, den Fichtenhecken einrahmen, wie auch die ganze Insel von Fichtenhecken eingefasst war. Dieses Fleckchen Erde ist eigens zum Vergnügen der Herzogin um geschaffen worden. Es ist der erste Lustort der Carlsruher Residenz. Und mochten nun in den ersten Jahrzehnten Feste gefeiert werden (die Zeit war reich an Festen, denn Gelegenheiten boten sich gar viele), sie fanden immer ihren Beschluss auf der Sophieninsel.  

Alte Ruine 

In den ersten Jahren wurde auch der französische Park geschaffen. Er gehörte zum Salon als dessen Erweiterung, und Erholung, Spiel und Unterhaltung wurden dort gepflegt. Auch eine Naturbühne fehlte nicht.  

Im Jahre 1780 kam die Herzogin von Braunschweig zu Besuch nach Carlsruhe. Zur Sophieninsel rollten die herrschaftlichen Karossen. Kavaliere im seidenen Gewande, ein zierliches Stöckchen mit Schleife in der Hand, reichten den Damen die Fingerspitzen, die heute ihre Reifröcke mit Girlanden geschmückt hatten und Florentinerhüte mit langen Bändern trugen, denn man wollte ein Erntefest feiern. Mit ihren Stöckel Schuhen trippeln sie zierlich neben ihren galanten Herren. Nun sitzen sie steif auf kleinen Stühlen im Schlösschen. Die Herzogin selbst reicht ihren Gästen das ländliche Mahl, und dann treten sie hinaus, der Herzog, Gemahlin und Tochter geleitend, und bald formt die kleine Gesellschaft sich zum Schäferspiel. Das Schlösschen ist ihnen im Spiel Staffage, die Fichtenhecken bilden die Kulissen. 

Mozarts Menuette klangen zu ihren Tänzen. Selbst sind sie sich Spieler und Publikum. - Doch nun naht ein Zug froher Menschen. Die Hofmarschällin hat mit jungen Leuten den Erntetanz geübt und so schreiten nun die Schnitterinnen zu Reigen, Tanz und Gesang. Und mit zufriedenen Blicken steht der Herzog mit seinen Damen in ihrer Mitte. - Nun lagern die Schnitter im Grünen und die Herzogsfamilie sitzt am Ufer. Sie schauen zur anderen Insel hinüber und schauen, wo in der Ferne das Schwedenschloss im Wandeinschnitt sich zeigt. Und da wandelt den Gast die Lust an, hinauszuführen auf den See, den Kanal entlang zum Schwedenberg. Und schon naht der Kahn, einem Seeschiff ähnlich, rot und Gold verziert und mit einem Dach versehen. - Leichtes Dämmern senkt sich über den See, als die kleine Gesellschaft im Kahn zurückkehrt. Da - Böller dröhnen, schwarzer Pulverrauch deckt den Wasserspiegel, und nun sprüht ein Feuerregen von der vorgelagerten Insel aus über die Ankommenden, so werden sie begrüßt. Fackeln leuchten vom Kahn zum Schlösschen und nun ordnen sich die Fackeln zum Reigen und umschließen die Herzogin Tochter und huldigen ihrer Königin. Im gelben warmen Fackellichte zahlloser Wachskerzen erstrahlt der Saal, in dem die Gesellschaft ein einfaches Mahl einnimmt und draußen klingen weiter die schmeichelnden Weisen und weiter drehen im lustigen Reigen sich Schnitter und Schnitterin. 

Die Herzogin Tochter hatte bei ihrer Anwesenheit durch ihre Fragen Veranlassung zur Anlage der Weinberge gegeben. 1780 wurde durch den Württemberger Eberhardt die Anpflanzung begonnen, und nach drei Jahren konnte der erste Wein gepresst werden, 6 Eimer. Die Belohnung der fleißigen Arbeit am Weinberg war eine festliche Weinlese, die dann alljährlich fröhlich begangen wurde. Auch bildeten die Weinberge einen neuen Anziehungspunkt für Fremde. Als 1784 das Schlösschen auf dem Weinberg erbaut worden war, wurden die meisten Feste hier gefeiert, und das Sophienschlösschen, wohl noch einmal 1806 repariert, verödete, bis es 1840 abgerissen wurde. 

Ein weiterer Lustort war das 1767 erbaute Schwedenschloss. Bei Anwesenheit der Generäle Schwerin und Tauentzien wurden hier frohe Feste gefeiert. Alljährlich im Monat Oktober (am Geburtstag des Herzogs oder des herzoglichen Schwiegersohnes) wurden große Fischzüge veranstaltet, die stets mit einem Fest schlossen, das für ganz Carlsruhe immer ein Freudentag war, und alle, die irgendwelche Beziehungen zum Schloss hatten, (dies waren in den ersten Jahrzehnten alle Carlsruher) wurden mit Karpfen bedacht. 

Schwedenschloss 

Am 17. August 1789 traf Königs Friedrich Wilhelm II., mit dem Kronprinzen von Namslau kommend, in Carlsruhe ein. Am Eingang zum Tiergarten empfängt ihn Carl Christian Erdmann. Herzogin und Herzogin Tochter begrüßen den hohen Gast an der Schlosstreppe. Nach dem Mahl zeigt der Herzog seinen Park, und dann fahren sie "unter Begleitung von Feldmusik", "12 Kanonen salutieren vom Berge", und die Antwort kommt vom Schwedenberg zurück. Darunter mischen sich Trompetenschall und Feldmusik, ein sonderbarer Ohrenschmaus, der eine Viertelstunde dauerte. Im Weinbergschlösschen wird ein Imbiss eingenommen und bei Fackelschein kehrten die Herrschaften ins Schloss zurück. Noch eine besondere Überraschung erwartete den König: Eine 20 Ellen hohe Pyramide, auf dieser eine Krone mit dem Namenszug des Königs gegenüber seinem Schlafzimmer aufgestellt worden war, und während der ganzen Nacht erstrahlte sie in Tausenden Flammen." 

Und wenn wir heute diesem schönen Fleckchen Erde einen Besuch abstatten, dann finden wir einen stark vernachlässigten und verwilderten Park vor. Keine menschliche Hand hat in den vielen Jahren der jüngeren Vergangenheit etwas zur Pflege dieser Kulturstätte getan! 

Im großen Park von Carlsruhe in Oberschlesien stand noch bis Anfang 1945 das Denkmal für Herzog Eugen von Württemberg in Form eines liegenden Löwen, ein Eisenkunstguss aus der Gleiwitzer Hütte. Der Löwe ist heute noch zu sehen. 

Löwendenkmal 

Das herrliche Schloss mit seinen Kavaliershäusern ist dem Erdboden gleichgemacht worden. Kurhaus, Badehaus, Schützenhaus, die Sanatorien und Pensionen, die vielen Villen und schmucken Bürgerhäuser, sie alle sind nicht mehr vorhanden. Außer den beiden Kirchen finden wir noch etwa 10-20 Prozent der alten Häuser vor und die Einwohnerzahl ist von vormals 3.000 auf knapp 1.000 zusammengeschrumpft. 

Vor dem 2. Weltkrieg waren die meisten Einwohner evangelisch. Heute gehören zum evangelischen Kirchspiel etwa 10 kleine Gemeinden mit zusammen 200 Seelen. Die katholische Kirchengemeinde ist jetzt weit größer und zählt über 1.500 Seelen, darunter etwa 95 Prozent Polen. Der große Platz vor der Kirche ist nach dem all sonntäglichen Kirchenbesuch jedoch immer noch Treffpunkt der Kirchenbesucher. 

 

Denkmal  Herzog Wilhelm

Der Schützenverein in Carlsruhe 

Herzog Nikolaus verkehrte bei den Carlsruher Schützen, seit 1896 als Protektor, in vollständiger Weise.

Herzog Nikolaus traf regelmäßig während der Sommermonate jeden Sonntag, nachmittags um 3 Uhr im Schützenhaus ein. Eifrig und mit Erfolg beteiligte er sich an dem Schießen, der unter der tüchtigen Leitung des Schützenmeisters Malucha stehenden, 1765 gestifteten Gilde, deren Ordnung von dem Herzog Carl-Christian-Erdmann am 6. Juni 1766 bestätigt worden war. Ihre wichtigsten und auch kulturhistorisch interessanten, Bestimmungen sind:  

  1. Adelige zahlen einen Reichstaler, Literati und Honoratiores zwanzig Silbergroschen Eintrittsgeld, ausschließlich der gewöhnlichen Schießtageszulage, Fremde das doppelte. Sie können sich auch keinen Kranz oder sonst ein Kleinod erschießen.
  2. Alljährlich vor dem 1. Mai nimmt das Schießen seinen Anfang. Jährlich wird 22-mal geschossen. Für jedes stiftet der Herzog zwei Pfund Zinn, welches der beste Schütze bekommt. Die Schützenbrüder haben sich in ordentlicher, reinlicher Kleidung pünktlich zum Schießen einzufinden. Abwesenheit ist zu entschuldigen. Wer verhindert, ist am Schießen teilzunehmen, oder auswärtige Schützen können sich auch vertreten lassen.
  3. Zank und Uneinigkeit sind sowohl im Schießhaus als auch bei anderen Zusammenkünften zu vermeiden. Alles Fluchen, Schwören und Ausstoßen von Schimpfwörtern ist ausdrücklich und gänzlich verboten. Zuwiderhandlungen werden mit drei Silbergroschen Strafe belegt; härtere Fälle werden richterlicher Entscheidung vorbehalten. „Besoffene“ werden zum Schießen nicht zugelassen.
  4. Mit dem Gewehr ist behutsam und vorsichtig umzugehen. Das Pulver darf nur im Schießstand selbst aufgeschüttet werden. Ehe der Zieler nicht in Sicherheit ist, darf nicht geschossen werden. Zuwiderhandlungen dagegen und Aufsässigkeit gegen die Ältesten (Vorstand) sind strafbar.
  5. Aus gezogenen sowohl wie aus glatten Röhren darf geschossen werden, doch müssen sich die Gewehre in einen guten Zustand befinden. Verboten ist bei Strafe: den andern im Stand zu irren, ihn mit höhnischen Worten oder lächerlichen Possen am Schießen zu hindern, Tabakrauchen, Anzünden der Pfeifen wegen der Nähe des Pulvers.
  6. Wem die Büchse zu zeitig losgeht oder versagt, der geht des betreffenden Schusses verluftig. Die gewöhnliche wöchentliche Zulage für jeden Schützen sind drei Silbergroschen. Der Zieler erhält jedes Mal fünf Silbergroschen. Von dem übrigen Geld werden die Scheiben bezahlt und das Zinn beschafft.
  7. Die Schützenbrüder, auch die Auswärtigen, haben jährlich jeder ein Quantum Zinn zu stiften, das ebenfalls zu Schießprämien dient. Gleich gute Schützen haben sich abzuschießen.
  8. Alle Jahre findet ein Königsschießen statt, der beste Schütze wird Schützenkönig. Er erhält, gleich wie auch in Oels und Bernstadt, vom Herzog den Königskranz. In einer mit drei Schlössern verschlossenen Lade, deren Schlüssel drei verschiedene Vorstandsmitglieder (Schützenvater, -  jetzt „Schützenmeister“ genannt – ein Ältester und der Schreiber) haben, werden die Schützeninsignien, Schützenrollen, Rechnungen und baren Bestände aufbewahrt. Alle vier Wochen war Kassenrevision.  Die Rechnung führt der Schützenschreiber.
  9. Kein Schütze darf während des Schießens zur Scheibe treten. Dem Zieler muss jedoch wechselweise eines der Mitglieder assistieren. Wer einen Kranz erschossen, hat dem Zieler einen Silbergroschen Trinkgeld zu geben.

Wiederholt bekleidete Herzog Nikolaus die Würde als Schützenkönig, die schon im Jahre 1767 von dem Herzog Carl-Christian-Erdmann, 1775 von der Herzogin Sophie und 1777 von ihrer Tochter, der Herzogin von Friedrich-August von Braunschweig und Lüneburg angenommen war. 

Schießhaus 

Das Helenenheim 

In Carlsruhe gab es das Helenenheim oder auch die Haushaltungsschule der "Armen Schwestern" genannt.

Das 1885 erbaute Erholungsheim und Krankenhaus, das Helenenstift. Über das "Helenenstift" und die "Prinzessin Helene" steht wörtlich geschrieben: 

"Nicht bloß die Herzöge und Könige von Württemberg, sondern auch die Fürstinnen setzten sich in Carlsruhe unvergängliche Denkmäler. - Zu den größten Wohltäterinnen dieses Ortes gehört die "Prinzessin Helene". Ihr soziales tiefes Empfinden schuf das "Helenenstift", das heute als Krankenhaus für den nördlichen Teil des Kreises Oppeln große Bedeutung hat, und verband organisch mit ihm das "Helenenheim". Dieses war als Altersheim für arbeitsunfähige Frauen gedacht. Mit dem Rückgange der aufnahmebedürftigen Frauen gewann das "Helenenheim" als Erholungsort Bedeutung. Dies prägt sich schon äußerlich in feiner Bauweise aus. 

Die breite Freitreppe, die prächtige Altane, und Veranden mit ihrem Blick ins wundervolle Grün der alten Parkbäume laden zu beschaulicher Ruhe und Besinnlichkeit ein. Die Betreuung des Helenenstift und Heims liegt in den Händen von Diakonissen des Mutterhauses Kraschnitz. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Aufschwung dieser Anstalten eng verbunden mit der rastlosen Tätigkeit der leitenden Oberschwester. Gerade in unserer selbstsüchtig eingestellten Zeit wirkt solcher Geist wie eine Oase in landweiter Wüste. Das "Helenenheim" hat es nicht nötig gehabt durch große Reklame für sich zu werben. Es hat stets an die Stelle vielversprechender Worte die treue Arbeit gesetzt. Der dort waltende Geist wies die von Jahr zu Jahr wachsende Besucherzahl an. - Carlsruhe ist ja kein Molebad mit "Kurkapelle, Reunion, Foxtrott, sondern nur für die, die nach angestrengter Jahresarbeit Ruhe, Erholung und Besinnung benötigen. - Im Helenenheim" leben die Vertreter der verschiedenen Konfessionen, Stände und Berufe stets einmütig beieinander. Hier wird praktisch gezeigt, dass es doch möglich ist, die tiefsten Nöte unseres Volkes zu überwinden und eine "Volksgemeinschaft" zu bilden. In kürzester Zeit sind sämtliche "Heimgäste" eine große Familie. Wer das öfter persönlich erleben durfte, der sieht in der Betätigung dieses Geistes eine Kraftquelle aufsteigen, die zur Gesundung unseres Volkskörpers beiträgt.

Helenenheim