Carlsruhe

in Oberschlesien

Sophienkirche

Die Evangelische Sophienkirche

Die Geschichte der Sophienkirche ist, wie die des ganzen Ortes Carlsruhe, auf innigste mit dem Herzogshaus von Württemberg-Oels verknüpft. Im Jahre 1748 hatte, wie erzählt wird, der damalige Herzog Carl Christian Erdmann von Württemberg in den tiefen Wäldern, an deren Stelle das jetzige Carlsruhe liegt, durch einen Traum bewogen den Entschluss gefasst, einen Ort zu gründen, der sich strahlenförmig um das von ihm zu erbauende Jagdschloss ausbreiten sollte. Dieser tief fromme Fürst wusste sich nicht nur für das leibliche Wohl seiner Untertanen verantwortlich, sondern sorgte frühzeitig dafür, dass es den ihm von Gott anvertrauten Seelen an Gottes Wort nicht fehlte. Die von dem Sohn des ersten Geistlichen dieser Kirche herausgegebene Geschichte und Beschreibung von Carlsruhe berichtet, dass in den Jahren bis 1765 zur Sommerzeit jeden Sonntag im herzoglichen Tafelsaal durch den jeweiligen Pagen-Hofmeister Predigten gehalten wurden.

Im Laufe der Zeit siedelten einige Handwerker in Carlsruhe an. So reichte der Schlosssaal für die Gottesdienste bald nicht mehr aus. Damals mussten die Protestanten einen recht weiten Weg bis nach Mangschütz zurücklegen, um dort einem Gottesdienst beiwohnen zu können. Carlsruhe war nämlich nach Mangschütz im Kreis Brieg eingepfarrt. Sämtliche Amtshandlungen der Carlsruher evangelischen Kirchengemeinde mussten in den ersten Jahren in Mangschütz vorgenommen werden. Diese Unbequemlichkeiten für seine Untertanen brachten den Herzog zu dem Entschluss, in Carlsruhe eine Kirche zu erbauen. Bereits im Jahre 1764 wurde die Erlaubnis hierzu bei König Friedrich II. nachgesucht und auch recht bald erteilt. König Friedrich II. bediente sich hierbei zum ersten Mal der Bezeichnung "Kirche", während vorher die evangelischen Gotteshäuser "Bethäuser" hießen. Carlsruhe hatte demnach die erste evangelische "Kirche" in Schlesien.

Sogleich wurde der Wald geschlagen, und der 30. Oktober 1764 war der Tag, an dem der Bauplatz für die neue Kirche auf einer kleinen Anhöhe in der Charlottenallee abgesteckt wurde, und am 15. Mai 1765 wurde der Grundstein gelegt. Und nun begann der Bau nach den Plänen des "Direktors allen Bauwesens", des damaligen Kammerrates Schirrmeister. Es ging mit dem Bau aber nur langsam vorwärts, und von 1767 bis 1771 ruhte er ganz, weil die Mittel ausgegangen waren. Der Krieg hatte das Land verarmen lassen. Auch die 1768 erfolgte Vermählung der Prinzessin hatte große Ausgaben verursacht, sodass der Bau der Kirche zurückgestellt werden musste. Die Kirche wurde einzig und allein aus den Mitteln des Herzogs gebaut. Auch der siebenjährige Krieg forderte vom Herzog große Ausgaben, sodass der Bau der Kirche abermals für längere Zeit hinausgeschoben werden musste. Für diese Zeit wurde jedoch eine so genannte Interimskirche in einem der Kavaliershäuser eingerichtet, wo Gottesdienste abgehalten werden konnten. 

Die Einweihung dieser Interimskirche erfolgte am 21. April 1766. An diesem Tage wurde auch der erste Geistliche, der Hofprediger Johann Benjamin Regehly, in Carlsruhe eingeführt. Einen Sonntag darauf (Jubilate) hielt er seine Einzugspredigt, taufte das erste Kind und führte noch andere Amtshandlungen aus. Alle kirchlichen Handlungen wurden absichtlich für diesen Tag bestimmt. Inzwischen wurde jedoch eifrig an der Sophienkirche weitergebaut. Die Patronatsakten geben ausführlich darüber Auskunft, mit welch hingebender Liebe und großem Interesse der Gründer Carlsruhe an seiner Kirche baute. Er selbst bestimmte, wie viele Arbeiter jede der ihm gehörigen Ortschaften für den Bau zu stellen hatten. 

Jeder Fortschritt im Kirchenbau war für die evangelische Gemeinde wie für den ganzen Ort ein großes Fest. Nachdem am 15. Mai 1765 die Grundsteinlegung erfolgt war (am Sophientag, dem Namenstag der Herzogin und der Erbprinzessin, nach denen die Kirche später auch ihren Namen erhielt, wurde am 17. August 1773 der Turmknopf aufgesetzt und Anfang Juli 1774 die in Oels angefertigte Orgel in der Kirche aufgestellt.  

Am 8. August 1775 konnte die Kirche geweiht werden. Schirrmeister hatte der kleinen Gemeinde ein schönes Gotteshaus errichten lassen, gefällig die Fassadengestaltung in freundlichem Rokoko, der helle, ovale Innenraum mit hochgezogenen Fenstern und besonders der konkav geformte Turmknopf, der den Beschauer entzückte. Das Geläut war 1774 von J.G. Nerger in Rosenberg gegossen worden. 

Glocke 1774 

Unter der Sakristei der Kirche wurde 1792 der Gründer Carlsruhes und Erbauer des Gotteshauses Carl Christian Erdmann und später seine Gemahlin und ihre beiden Töchter beigesetzt, die Herzogsgruft wurde später vermauert. Auch in der anderen Gruft unter dem Haupteingang ruhen Mitglieder der herzoglichen Familie. Sie alle ruhen dort für immer und schlafen dem ewigen Morgen zu.  

Nun wurde eifrig an der Innenausstattung gearbeitet, und am 8. August 1775 war der lang ersehnte, frohe Tag der Einweihung gekommen - ein Festtag besonderer Art für Carlsruhe. Bereits am frühen Morgen schmetterte der Choral "mit Gott will ich's anfangen" von der Kuppel des Schlosses herab. Nach dem Schlussgottesdienst in der Interimskirche bewegte sich der Hof mit den Spitzen der weltlichen und kirchlichen Behörden in feierlichem Zuge zur neuen Kirche, wo der erste Gottesdienst würdig gefeiert wurde. Sodann wurde an zwei sehr zahlreichen Tafeln auf das köstlichste gespeist und eine prächtige Illumination und ein noch sehenswerteres Feuerwerk auf der Sophieninsel beschlossen den feierlichen Tag. Von dem tief frommen Sinn des Herzogs zeugt, dass er jedem, der an diesem Tage an der heiligen Kommunion teilnahm, zum Andenken ein neues Oelsnisches Gesangbuch schenkte, das sogleich in der Kirche gereicht wurde. 

Innenraum der Sophienkirche 

Die Gemeinde, die damals zur Sophienkirche gehörte, umfasste einen weit größeren Umkreis, als es später der Fall war. In den alten Kirchenbüchern wurden alle Gäste der Kirchengemeinde namentlich aufgeführt wie auch die Einwohner des königlichen Hüttenwerks Friedrichsthal, die später eine eigene Kirchengemeinde bildeten. Bis zum Jahre 1895 gehörte zur Sophienkirche in Carlsruhe das Kolonistendorf Sacken, das etwa 10 km von Carlsruhe entfernt liegt. Im Jahre 1895 wurde also Sacken von Carlsruhe abgepfarrt, weil dort eine eigene Pfarrgemeinde entstanden war. 

Altar der Sophienkirche 

Schnell war die zuerst verhältnismäßig kleine Schar von Glaubensgenossen bereits in den ersten 10 Jahren (1765-1775) angestiegen. 1765 wurden verzeichnet: 5 Trauungen, 17 Geburten, 13 Beerdigungen, 342 Kommunizierungen. Und 1775 werden genannt: 12 Trauungen, 55 Geburten, 26 Beerdigungen, 654 Kommunizierungen. 

Die Kirche in Carlsruhe war von jeher durch reichliche Stiftungen, die ihr zuteil wurden, wohl fundiert. Für alle möglichen Zwecke war Geld gestiftet worden, dass in der unglücklichen Inflation nach dem I. Weltkrieg in einer Höhe von ca. 120.000 Reichsmark verloren ging. Was der Kirche jedoch kein Krieg und keine Inflation rauben konnte, war die stets gleich bleibende Treue und innige Liebe ihrer Glieder. Niemals ist in dieser Gemeinde von ihren Geistlichen über schlechten Besuch der Gottesdienste Klage geführt worden. Die gute Saat, die von den glaubensstarken Geistlichen gesät wurde, war aufgegangen und hatte immer gute Früchte gebracht. Welch starkes Liebesband die Gemeinde und ihre Hirten stets umschlang, beweist, dass in 159 Jahren (1765-1924) nur 5 Geistliche der Gemeinde gedient haben. Ihre Namen und Amtszeiten seien nachstehend genannt: Oberkonsistorialrat Hofprediger Johann Benjamin Regehly 1765-1809, Hofprediger Fichtner 1809-1858, Hofprediger Reißmann 1858-1860 (1860 gestorben), Hofprediger Gneist 1861-1879, Hofprediger und Superintendent Suchner 1879-1924. Von den Organisten, die in vorbildlicher Treue ihres heiligen Amtes walteten, seien Michael Fohmann, Rektor Mann und Hauptlehrer Hannig zu nennen. 

Taufglocke 

Die Opferfreudigkeit und Liebe der Gemeinde zu ihrer Kirche zeigte sich wieder in ihrem schönsten Lichte anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Sophienkirche am 8. August 1925. Die Festgaben der Gemeinde und ehemaliger Carlsruher Glaubensgenossen erreichte damals die Höhe von 3.600 Reichsmark. 

Der Turm trägt in halber Höhe die Jahreszahl 1823, dies gibt den Zeitpunkt der Beendigung einer großen Reparatur an, die 50 Jahre nach dem Bau und infolge eines Blitzschlages im Jahre 1821 nötig gewesen war. Im Vorjahre (1926) bekam der Turm eine neue Kupferbedachung. - Noch immer entzückt dieser schöne Bau jeden geruhsamen Beschauer. 

Vor der Kirche war 1924 das Kriegerdenkmal errichtet worden. Dort konnte man folgende Inschrift lesen: "Heilige Flamme glüh', glüh' und erlösche nie".   

Besonders wohltätig war das Jahr 1796 für die katholischen Einwohner von Carlsruhe. Diese mussten zur Kirche nach Städtel gehen, wenn an diesem Ort der Gottesdienst nicht stattfand, mussten sie bis nach dem 11 km entfernten Bankwitz gehen, ja jeden vorfallenden Actus dort verrichten lassen, weil Bankwitz mit Städtel vereinigt war. Da dieses nun sehr viele Unbequemlichkeiten verursachte, und sich auch die katholische Gemeinde sehr vermehrt hatte, überdies durch verschiedene Diener und Dienerinnen des Hofes, auch Mitglieder des Theaters und der Kapelle, noch mehr anwuchs, so wurden diese Umstände und die Bitte dieser Gemeinde bewogen, im Jahr 1796 eine katholische Kirche zu fundieren, und sich in Ansehung dieser Konfession so zu verewigen, wie es der Herzog in Hinsicht der lutherischen Gemeinde getan hatte. 

Der um diese Kirchenanstalt sich überhaupt so sehr verdient gemachte Hütteninspektor zu Krogullno, Herr Baumann, kam im April 1796 bei dem Herzog im Namen der römisch-katholischen Untertanen ein, und bat, eine Kirche für diese zu gründen, welches er auch am 22. April mit Vergnügen bewilligten und nur darauf bedacht waren, einen schicklichen Platz zur Kirche und den Unterhalt für den Geistlichen auszumitteln. Ersterer fand sich bald sehr bequem und für die Gemeinde groß genug, in dem linken Flügel des ehemaligen Fruchthauses an dem Schlossgarten, auf der rechten Seite der Luisenallee, letzterer aber in einer von dem Herzog genehmigten Summe von jährlich  50 Reichstalern, in den monatlichen  Beiträgen der Gemeinde  von 100 Reichstalern und einem Beitrag des Fürst-Bischöfflichen General-Vikariat-Amts von 24 Reichstalern, worauf, als diese Schwierigkeiten gehoben waren, die Konfession, zur Gründung einer solchen neuen Kirche, sowohl bei der königlichen Kammer in Breslau, und des Herrn dirigierenden Ministers Grafen von Hoym, als auch bei dem Hoch-Fürst-Bischöfflichen Generalvikariat-Amt in geistlichen Sachen des Bistums Breslau, nachgesucht, und von beiden bewilligt wurde. 

Zum Bau der Kirche schenkte der Herzog nicht nur den Platz, sondern auch die nötigen Baumaterialien, um sie massiv ausbauen und mit einem kleinen Glockenturm versehen zu können. Überhaupt hat bei dem Bau der Kirche nicht nur die Gemeinde und an deren Spitze Herrn Inspektor Baumann, einen Eifer bewiesen, der in unseren Tagen immer seltener wird, sondern es haben sich auch viele fremde auswärtige Wohltäter gefunden, die den inneren Schmuck derselben teils durch wirtschaftliche Geschenke an Sachen, teils durch Geld beförderten. So schenkte der Prälat von Rauden der Kirche eine neue Orgel, einen ganz neuen Messornat nebst Albe, und eine große Messinglampe; der Herr Prälat von Czarnowanz bezahlte eine neue Monstranz; die Frau Gräfin von Gaschin auf Turawe einen silbernen ganz in Feuer vergoldeten Kelch; die Frau Baronin von Larich in Groß-Steine das Geld zu einem Ciborium; der Gürtler Meister Lindner zu Breslau einen Kelch, drei Kanontafeln und zwei Wandleuchter; Herr Inspektor Baumann einen neuen Messornat und andere Sachen; der Glasermeister von der Czarnowanzer Glashütte, Anton Graff, vier neue schön gearbeitete Leuchter auf die kleinen Altare; der evangelische Schuleninspektor und Pfarrer Regehly mit Bewilligung des Kirchenpatrons, ein aus Messing vergoldetes Kruzifix aus der lutherischen Kirche und viele andere Wohltäter noch andere Sachen.

Sophienkirche