Carlsruhe

in Oberschlesien

 

Löwendenkmal

Der englische Park

Der englische Park lag zwischen der Oppelner Allee und der Luisenallee. Seine Größe war beachtlich. Der Park hatte seinen Anfang am Schlossplatz und endete am Schwedenteich vorbei an den Weinbergen. Gegenüber dem englischen Park befand sich am Sophienteich der Tierpark, mit einer ebenfalls beachtlichen Größe. Aus alten Unterlagen geht folgende Beschreibung hervor:

Geht man bei der Weinpresse vorbei in das Tal, kommt man in die großen Partien des englischen Parks, der mit den Weinbergen genau zusammenhängt. Nimmt man hier, wenn man in das Tal gelangt ist, den Fahrweg, so kommt man in gerader Linie, links an Weinbergen, rechts an englischen Gehölzpartien, bei dem Vogelherd vorbei zu dem  Haus des Gartengehilfen Ottmann, und zu dem Ausfahrtstor nach der Oppelnschen Straße, auf den Schwedenberg, wohin man auch den Bergen, gleich von dem Salon, durch eine mit Obstbäumen besetzte Allee, zwischen rechts und links liegenden Weinbergen gelangen kann; wählt man aber den Fahrweg, nahe an der Weinpresse vorbei, so kommt man in die oben beschriebene erste Partie, und wieder zu einem Ausfahrtstor, wo die Straße nach Carlsruhe führt. Der Weg gerade aus, ein Gang, wie alle Fußgänger des Parks, mit Rasen eingefasst, führt in ein angenehmes Gehölz von Birken, Erlen und anderem Laubholz, hin und wieder mit fremden Hölzern untermischt, und das erste was sich hier dem Auge darbietet, wenn man kaum einige Schritte hineingekommen ist, ist ein ziemlich breiter für kleine Gondeln schiffbarer Kanal, an dem sich ein Weg fortschlängelte, von dem man die Aussicht auf eine links liegende Insel und das darauf stehende chinesische Vogelhaus hatte.

Vogelhaus

Will man zu dieser Insel kommen, so führte der Weg den Wanderer zuerst über eine kleine grau angestrichene krumme erhabene Brücke, lässt ihn, wenn er sich noch weiter links wendet, durch Buschwerk hindurch, indem man diese Aussicht verliert, eine zweite, über einen schmälernden Kanal geführte Brücke betreten, und bringt ihn auf einen freien mit Rasen und Kleestücken bewachsenen Platz und dahinter, die Bildsäule der Venus stand.

Will man von diesem Platz, der durch sein mancherlei Grün mit den weißen Sandsängen durchkreuzt, dem Auge sehr gefällt, und es überrascht, auf die Insel zu dem Vogelhaus kommen, so geht man auf diesem links etwas zurück, und kommt über eine hohe krumme mit Stufen versehene, so genannte: Chinesische Brücke, unter welcher die Gondeln bequem durchfahren können, an die längliche in mancherlei Krümmungen laufende Insel selbst, und hat, wenn man von der Brücke heruntersteigt, das Vogelhaus gerade aus. 

Das kleine Häuschen, der Sommer Aufenthalt von vielen inländischen Vögeln, war in chinesischem Geschmack, mit sechs abgestumpften Ecken gebaut. Die Mittelfelder zwischen den angestrichenen Säulen sind mit Draht bezogen, und das Dach läuft zuerst bis an eine von den Seiten ebenfalls mit Draht umflochtenen Kuppel, über welcher sich ein eben so wie die Säulen angestrichenes zweites Dach erhebt, und in einem sitzenden Chinesen, der einen Sonnenschirm über sich hält, endet. Am Rand des unteren und oberen Daches sind rund herum gläserne Glöckchen hängend angebracht, in welchen sehr leicht bewegliche Klöppchen, und an diesen Federn befestigt waren, die von der Luft bewegt, an das Glas anschlagen, und ein fast immer währendes Getöne hervorbringen, wodurch die Vögel zu ihrem Gesang ermuntert wurden. Das ganze Gebäude ist mit einer niedrigen Galerie von durchbrochener Arbeit umgeben, der Fußboden zwischen dieser und dem Häuschen selbst, mit Schafknochen gepflastert, die Insel aber ganz mit Bäumen bewachsen, und hin und her mit Ruhebänken besetzt.  

Bei der ersten Anlage stand auf dieser Insel eine Kolonnade mit einem Kabinett, sie wurde aber bald wieder weggenommen und auf den Minervenplatz versetzt, wo sie eingegangen und kassiert worden ist. An ihre Stelle nahm die Statue der Venus den Platz ein.

Ohne auf eine Gondel den Weg in den Kanälen weiter zu nehmen, muss der Spaziergänger, wenn er dieses nicht wollte, wieder über die Chinesische Brücke auf den freien Platz zurück, wo ihn sein Weg links an dem breiten Kanal fort, bis an die Drehbrücke führte, die über den schiffbaren Kanal liegt, und bei Schifffahrten herum auf das Land gedreht wird, um der Gondel eine freie Durchfahrt zu gewähren. Das Geländer bestand aus allerlei Gartengerätschaften als Harken, Grabeisen u.s.w. und diese Brücke ist oft ein Ort des Scherzes für wandernde Fremde, die, wenn sie eben über die Brücke hinüberzugehen meinen, sich mit einmal herum gedreht hatten. Verlässt der Gartenfreund diesen Platz und wollte über die Brücke den Gehölzen zueilen, so würde ihn sein Pfad durch diese zwar angenehmen Gänge leiten, aber wieder auf den Platz gegen die Weinberge zu bringen, lässt er sich aber den Weg bei der Statue der Venus vorbei führen, ohne über die Brücke zu gehen, so nimmt ihn bald ein anmutiges Gehölze wieder auf, und leitet ihn über eine Klöppelbrücke von unbearbeitenden Birkenholz bis dahin, wo sich ihm nach einem kurzen Weg, ein Badehaus zur Ansicht darbietet. 

Künstliche Berge

Dieses von außen rot abgeputzte Häuschen liegt auf einer runden von einem schiffbaren Kanal umgebenen Insel, über welchen eine Zugbrücke führte.  Sobald man über diese hinweg ritt, steigt man eine Treppe von einigen Stufen hinauf, bis zu dem Eingang, und kommt in einen kleinen Hausflur, aus dem man sich entweder gerade aus, durch eine Tür in ein Kabinett, oder links in das Badezimmer begeben kann. Geht man in das Kabinett, so findet man, eine Wasserpumpe, vermöge welcher das Wasser heraufgepumpt, und entweder in eine Röhre, die in einen eisernen Kessel läuft, geleitet, oder durch eine andere grade in das Bad selbst geführt wird. Der Kessel, in einen kleinen Herd eingemauert, dient zur Erwärmung des Wassers, welches aus diesem ebenfalls sogleich durch eine Röhre in das Bad abgelassen werden kann. Das Badezimmer ist ein geräumiges viereckiges Gemach mit passenden Malereien und vier in den Ecken angebrachten Nischen, in welchen die Statuen der Diana, ihrer zwei Nymphen und des Aktäons stehen, letzter schon nach seiner Verwandlung mit einem Hirschkopf vorgestellt. Das Bad selbst liegt in der Mitte des Zimmers, drei Ellen tief, unten mit Bänken versehen, in welches man durch eine Treppe hinunter steigt. Es ist ganz mit Brettern ausgeschlagen, oben mit einer Galerie umgeben, und erhält sein Wasser unmittelbar aus der in oben erwähnten Kabinett befindlichen Pumpe, durch zwei Röhren, deren Hähne einen zum kalten, den anderen zum warmen Wasser, man sich in dem Bad selbst nach Gefallen öffnen, und je nachdem man es haben will, warmes oder kaltes Wasser zulassen kann. Ablassen kann man dasselbe ebenfalls im Bad selbst durch eine unten angebrachte Röhre, ja um die Bequemlichkeit ganz vollkommen zu machen, ist auch in dem Zimmer ein Kamin angebracht, und es ist nur Schade, dass nicht ein wohltätiges Wasser damit verbunden ist, welches mit der schönen Badeanstalt auch zugleich gute Folgen für die Gesundheit vereinigte. 

Wollte man von diesem Badehaus links hinter demselben Weg gehen, so würde man hier von einem breiten Fahrweg über eine Zugbrücke, die über den Hauptkanal liegt, bis gegen die Weinberge und das oft erwähnte Ottmann`sche Haus zurück geführt werden, wählt man aber den geraden Weg, so hat man nicht nur längst einer breiten geraden Allee zuerst von Kastanien Bäumen, und dann hinter diesen von Laubholzhecken, die Aussicht auf den schönen Minervenplatz, sondern je weiter man kommt, auch belohnende Partien zu erwarten. Diese Kastanienallee, die sich hinter dem Minervenplatz  noch außerhalb dem Park, in einer langen Waldallee endigt, und in der, wenn man vom Badehaus hineinblickt, die Statue der Minerva nur der Mittelpunkt zu sein scheint, gehört mit Recht zu den schönsten des Parks, da nicht nur die Aussicht anlockend ist, sondern auch die Bäume, die alle schon groß an diese ihre jetzigen Plätze versetzt wurden, schön sind, und von einem Baum zum anderen sich noch kleine,  ganz niedrige belaubte Hecke zieht. 

In der Mitte dieser Allee führt rechts eine andere Seiten- oder Querallee, durch die Hecken bis an das Ende des Parks gegen Abend zu. Blickt man in diese, so hat das Auge einen schönen Ruhepunkt, an einem sich fast in der Mitte derselben befindlichen Häuschen, welches ich hier das Wintervogelhäuschen nennen will. Dieses Gebäude ist beinahe achteckig, hat nach der Seite der Allee, von der man es hier sieht, drei große breite, bis auf die Erde reichende Fenster, ein spitziges Dach, und ist gelb und weiß abgeputzt. Von der Hinterseite der Allee hat es seinen Eingang, und besteht, seiner inneren Einrichtung nach, bloß in einem kleinen Vorhaus, und in einem Kabinett mit einem Ofen, welches ehedem zur Aufbewahrung der Blumen gebaut wurde, jetzt aber der Winter Aufenthalt der Vögel aus dem Vogelhaus ist. Ehe man zu diesem Gebäude hinkommt, sieht man vorn zu beiden Seiten der Allee Blumenstücke, mit fremden Hölzern von vielerlei Art besetzt, weiter hin rechts und links Hecken mit Gängen durchschnitten und noch weiter hin bis zum Ende des Parks Plantagen von Obstbäumen und Flecken zu Gartenfrüchten.  

Eingang zum Finsteren Gang

Verlässt man diese Allee ungefähr gegen die Mitte derselben und wendet sich links in die Hecken, so führt ein immer schmaler werdender Weg bis zu dem Labyrinth oder so genannten unterirdischen Gang, welches auch oft den Namen Elysium erhält. Ohne es aus der Ferne gesehen zu haben, steht man mit einmal vor einer aus Wiesenerz aufgeführten Mauer, in die eine Tür, gleichsam, wie in eine unterirdische Höhle führt. Betritt man diese Höhle, die wie ein Gang aus eben solchem Erz gemauert, gewölbt, und mit Erde überschüttet ist, in welcher Bäume wachsen, und wendet sich das erste Mal darin rechts, so ist es auch gleich so finster, dass man keinen Fußtritt mehr sieht, sondern sich nur mit den Händen fort helfen muss, um sich mühsam durch die verschiedenen Biegungen durchzuwinden, sobald man aber herauskommt, wird man sogleich auf das angenehmste überrascht, indem man sich auf einem zirkelförmig mit Mauer von Wiesenerz umgebenen Rasenplatz befindet, und in der Mitte die Statue Friedrichs des Einzigen erblickt, der hier in seiner gewöhnlichen Uniform aus Stein gehauen, da steht, und den einiger Entfernung ein Kreis von Pyramiden Pappeln umgibt. Die Büsten von fünf Generälen dieses großen Heldens, eines Schwerin, Winterfeld, Ziethen, Seidlitz und Reith, stehen in Nischen der Mauer, und geben dem Ganzen eine Art von überraschender Schönheit, die in der Tat wert ist, gesehen und gefühlt zu werden.  

Von diesem Denkplatz Friedrichs und seiner Helden, führt der Wegweiser seine Fremden gewöhnlich nicht mehr durch die oben beschriebene breite Allee, sondern einen gekrümmten Seitenweg durch schattige Gehölze zu dem Minervenplatz, den man, wie ich schon erwähnt habe, bereits an dem Salon und dem Badehaus in der Entfernung gesehen hatte. Hier auf einem großen freien runden Platz, der zunächst mit Pyramiden-Pappeln, dann weiter hinten mit Hecken und belaubten Nischen, in welchen sich Rasenbänke und auf Holz gemalte Statuen befinden, umgeben ist, steht auf einem terrassierten viereckigen, an den Ecken mit Pyramidenpappeln besetzten Hügel, die Statue der Minerva, in Stein gebildet, mit dem Spieß in der einen und dem Schilde, worauf das Medusenhaupt befindlich, in der anderen Hand. Von diesem Platze kann man in sechs Alleen, nämlich vor sich, nach dem Salon und Badehaus, hinter sich, tief in den Wald außer dem Park und von den Seiten in vier andere Partien sehen. Rund um die Statue der Minerva, in einer gehörigen Entfernung, und zwar in dem ersten von Pyramidenpappeln gebildeten Zirkel, stehen an den Ecken der Alleen, auf hohen Postamenten, auf einer Seite die Büsten von sechs Römern, auf der anderen von sechs Griechen, die der Göttin gleichsam zu huldigen scheinen. Hinter der Statue etwas entfernt, längs dem Zaun, der gegen Mittag den Park schließt, läuft der Kanal, der von der Sophieninsel nach dem Schwedenberg führt. 

Schwedenschloss 

Wäre man, anstatt aus dem Elysium links zurück den Minervenplatz zu besuchen, rechts durch die Allee bei dem Wintervogelhaus vorbei, durch die Obstbaumplantagen gegangen, so würde man auf diesem Wege an das Ende des Parks gegen Abend zu gekommen sein, wo sich unweit dem Ende der Sophienallee, ein Wohnhaus für zum Park gehörende Leute, und bei diesem ein Ausfahrtstor befindet. Geht man dieses Wohnhaus vorbei, so leitet der Weg an den Kanal von der Sophieninsel nach dem Schwedenberg, der hier, so lang der Park geht, von der Mittagseite mit eingezäunt ist. Steht man vor diesem Kanal, mit dem Gesicht gegen den Schwedenberg gekehrt, so übersieht man längst einer schönen neben dem Kanal laufenden Allee, die ganze Länge des Parks, geht man aber an diesem Orte hinüber, so kommt man auf den so genannten Kaninchenberg, wo ehedem eine ganze Menge Kaninchen ihre Hecke aufgeschlagen hatten, und auf dessen Spitze eine steinerne Urne steht, von der man längst der Sophienallee durch den Tiergarten, die Aussicht auf das herzogliche Schloss, auch längst dem Kanal auf einen Teil der Sophieninsel hat. 

Von dem Minervenplatz links, und zwar etwas zurück, kommt man auf die Königs- oder Wilhelmsinsel, die zwischen der Allee von dem Badehaus nach dem Minervenplatz, diesem Platz selbst und dem Apolloberg liegt. Sie ist unter allen Inseln des Parks, die größte, auch führt keine Brücke zu ihr hinüber, sondern hier muss der Wanderer seine Wasserfahrt beginnen, wozu stets Gondeln und Kähne bereit stehen, wenn er diese und noch zwei andere Wasserpartien in Augenschein nehmen will, zu denen man auf dem Lande nicht kommen kann. 

An das Ufer der Insel, welches von der Seite des Eingangs mit einer Mauer aus Wiesenerz eingefasst ist, führt eine Fähre, die an einer Leine hin und her gezogen werden kann, und von der man an einer eben so gemauerten Treppe an das Ufer steigt. Eine grüne Terrasse, auf welche man über eine Rasentreppe steigt, führt an eine große schattige Laube mit großen Linden umpflanzt, die ihre Zweige über das weiß angestrichene, durchbrochene Holzwerk verbreiten. Sie bildet ein längliches Viereck, der Fußboden ist mit Eisenplatten belegt und vier bogenförmige Eingänge, an jeder Seite einer, erlauben die Aussichten auf die Insel und die umher liegenden Partien. 

So, wie man von dem Ufer aus in diese Laube Eintritt, erblickt man durch den entgegen gesetzten Eingang, längst einer schmalen Allee von ausländischen Hölzern allerlei Art, auf einem Hügel in der Mitte der Insel, auf einem Postament die Büste des verewigten Königs Friedrich Wilhelm des Zweiten aus weißem Marmor ziemlich getroffen, neben ihm aber die Göttin des Friedens in einer ganzen Figur von Sandstein schön gearbeitet, die in der linken Hand einen Lorbeerzweig, in der rechten aber einen Kranz über dem Haupt des Königs hält, gleichsam als wollte sie ihn eben damit krönen. Der Künstler hat diesen Augenblick, wo die Göttin dem König den Kranz auflegen will, gewählt, daher das Haupt des Königs die Stellung hat, als wollte es sich diesem Kranz rückwärts entziehen, indem er mit den Augen in die Höhe nach diesem blickt. Unten auf dem Postament sieht in einer schwarzen Tafel von Marmor, die vergoldete Jahrzahl 1790, - eine Anspielung, die den Reichenbacher Vertrag verweisen soll. Bis zu diesem schönen Denkmal, welches die Liebe und Verehrung des Herzogs dem verewigten König setzte, ist die ganze Insel in einen Hauptgang aus der Mitte der Laube nach der Statue und zwei Seitengänge geteilt, die Plätze zwischen dieser aber mit amerikanischen und andern fremden Hölzern bepflanzt. Hinter der Anhöhe, auf der dieses Denkmal steht, geht bis zu Ende der Insel, eine schattige Laubholzhecke, in welcher die Spaziergänge den Buchstaben W bilden, um auch darinnen das Andenken dieses guten Monarchen zu verewigen. Viele Kenner halten nicht nur die Statue für schön gearbeitet, sondern auch die ganze Idee sehr glücklich gewählt und eben so gut ausgeführt. Vorn die verschönerte, hinten die ungekünstelte Natur und in der Mitte die Majestät. 

Von dieser Insel führen die reizenden Spaziergänge, teils nahe an den Kanälen, teils tiefer in den Hecken, zu entfernten Gegenständen des Vergnügens, meist aber lässt man diese liegen und bedient sich einer Gondel, um von hier nach dem linker Hand liegenden Apolloberg zu schiffen. 

Hier kommen alle den Park durchschneidenden Kanäle in einem großen viereckigen Bassin, welches man seiner Größe wegen einen kleinen Teich nennen könnte, zusammen, in der Mitte desselben aber liegt ein über dreißig Fuß hoher trassierter, viereckiger, an den Ecken mit Pyramidenpappeln besetzter Berg, auf welchen man von zwei Seiten durch Gänge ohne Stufen hinaufsteigt. Auf diesem Berge steht ein runder Tempel, auf acht runden Säulen mit einer runden Kuppel. Die Säulen, Kapitaler und Gesimse, sind weiß mit Gold staffiert, das runde Dach blau gestrichen, und oben mit einer schön gearbeiteten stark vergoldete Vase verziert, in dem Tempel selbst aber steht auf einem Postament die Statue des Apollo, an einem abgebrochenen Baumstamm, um welchen sich eine Schlange windet. Die innere Decke ist gemalt, und enthält zuerst eine sehr täuschende Einfassung, die eine Art von Galerie bildet, dann aber vier schwebende Genien, die einen Blumenkranz halten. Von außen um den Tempel ist der Berg mit einer niedrigen Hecke eingefasst, zwischen welcher und dem Gebäude selbst ein Gang läuft, von dem man nicht nur die Aussicht auf viele Partien des Parks, längst dem einen graden Kanal auf den Salon des Weinbergs, links auf die Königsinsel, rechts auf den Schiffschuppen, und rund um sich her auf Wasserpartien und Hecken hat, sondern von dem man auch, vermittelst einer durch den Wald des Tiergartens geschlagenen Alleen die Carlsruher Kirche erblickt. 

Steht man auf dem Apolloberg mit dem Gesicht nach dem Salon auf dem Weinberg zugekehrt, so hat man rechter Hand einen großen rot und weiß abgeputzten Schiffschuppen, in welchem die Gondeln und Kähne vor der Witterung geschützt, aufbewahrt werden. Er ist über das Wasser gebaut, hat das Ansehen von zwei nebeneinander stehenden Häusern, und nach dem Kanal zu, ein großes Einfahrtstor, durch welches die Fahrzeuge einschiffen können. Hat man dieses Gebäude ebenfalls zu Wasser besucht, so fährt man wieder zurück, bei dem Apolloberg vorbei, lässt diesen rechts liegen, und schifft, nachdem man sich links gewendet hat, in einen breiten Kanal, der ein Arm des großen Bassins ist, sodass der Apolloberg gerade im Rücken bleibt, in ein zweites großes Bassin, dessen Ufer mancherlei Krümmungen bildet. Die Fahrt bis dahin, so wie in dem Bassin selbst, ist äußerst angenehm, da dieses nebst dem Kanal von beiden Seiten mit hecken umgeben ist. 

In der Mitte dieses zweiten Bassins befindet sich eine ganz mit Gehölzen bewachsene runde Insel, auf der sich versteckt in den Hecken und kaum bemerkbar, ein großes Gebäude befand, welches verschiedentlich benennt, wurde, nach der Absicht des Herzogs aber, einen Heidnischen Tempel vorstellen soll. Das doppelte japanische Dach dieses Gebäudes ruht auf zwölf eckigen Säulen, die Arten von Hallen bilden, ist mit Charakteren bezeichnet, an den Ecken aber mit hervorragenden Schlangenköpfen verziert. Diese Insel hat etwas äußerst romantisches! Man denke sie sich ganz entfernt von allen andern Gebäuden mitten im Wasser, mit Hecken so überwachsen, dass der Tempel dem Auge ganz verborgen bleibt, und nicht eher gesehen wird, als bis man nahe dazu kommt. Ungestört schwimmen türkische Enten und Gänse umher oder sitzen am Ufer derselben; Vögel schlagen unbesorgt ihre Nester hier auf, ja selbst Nachtigallen, die Carlsruhe fast gar nicht, und auch jetzt nur sehr sparsam hat, scheinen sich hier am besten zu gefallen. Rund um ist das entgegengesetzte Ufer das Bild der Ruhe, und nur einzig die Aussicht zurück auf den Apolloberg zeigt es an, dass diese Gegend nicht ganz unbewohnt sein muss. Wer dieses alles zusammennimmt, sollte der nicht hieben an einen geheiligten Hain der Alten denken?  

Hinter dieser Insel, auf welcher sich der heidnische Tempel befand, in einiger Entfernung kann man wieder landen, und entweder rechts an dem Ufer, über eine kleine Brücke mit einem Ablassfluder, durch die hecken, auch in der Allee an dem Kanal nach der Sophieninsel, der hier nicht weit entfernt ist, zurück in die schon besuchte Partie des Minervenplatz gehen, oder sich auch links wenden, und durch die Hecken hinter dem Schiffschuppen vorbei, nach den Weinbergen zurückkehrten, denn hier schienen die Partien des Parkes geendet zu sein, da dicke Hecken die noch folgenden verbergen, und nur ein gekrümmter Gang gerade aus zu denselben hinweist. Wählt man diesen Weg linker Hand, so erblickt man sich links eine Raubvogelfalle, die auf vier Säulen erhaben zwischen Hecken auf einem freien Platz steht. Auf den vier Säulen ruht ein viereckiger großer Vogelbauer, von allen Seiten zwischen dem Holzwerk mit Draht umzogen, welches aus zwei übereinander stehenden Vogelbauer bestand. Das untere ist von dem oberen, aber ist oben offen, und hat an der Seite ein Netz, welches sich sogleich als wie ein Raubvogel nach dem eingesperrten Tier herabstößt, und ein in der Mitte befindliches Holz berührt, vermöge eines Gewichts über die Öffnung des oberen Gebauers zieht und den Raubvogel darin verschließt, ohne dass er dem eingesperrten Tier, von dem er durch die Drahtdecke getrennt bleibt, Schaden zufügen kann. Man kann diese Vogelfalle auch in der Entfernung von der zuletzt beschriebenen Insel und von dem Fahrzeug aus sehen, wenn man diesen Kanal beschifft, daher der Gartenfreund lieber den Weg durch das Gebüsch gerade aus wählt, wo er zuerst an eine einfache von unbearbeitetem Holz verfertigte kleine Brücke kommt, vor und hinter welcher das Wasser in einem schmalen Graben über Eisenerzsteine hinweg gerieselt, ein angenehmes Geräusch verursacht, und von der man Aussicht über eine Wiese nach dem Damm hat, der auf den hier nahen Schwedenberg führte.

Die Teiche in Carlsruhe 

Die Carlsruher Gegend war ein Bruchgelände, das vor 1750 der "dicken und vielen Moräste" wegen unpassierbar war. Kaum befand sich aber das Schloss in wohnlichem Zustand, da wurde schon im Jahre 1754 der erste Teich, der Hirschteich, angelegt, um die Gegend zu entwässern, um Karpfen und Schleien ziehen und mannigfache Wasserfreuden genießen zu können. Vom flachen Dach des damaligen Schlosses konnte man seinen Spiegel blinken sehen. Heute ist dieser Teich, am Weg nach Christianshof gelegen, völlig verlandet. 

Paulinenteich 

In den beiden nächsten Jahren entstanden der Sophienteich und der Friederikenteich, die beide abseits vom Verkehr lagen. Man benutzte den Weg vorbei an der katholischen Kirche, um zu ihnen zu gelangen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts herrschte hier oft das regste Leben. --- Und wo später das schmucke Forsthaus stand, wohnten damals Leute, in deren Obhut Teich und Insel mit Schlösschen standen. Ein Kanal stellte die Verbindung mit dem Schwedenteich her. Die Teiche hinter dem Weinberg sind während des siebenjährigen Krieges entstanden. In diesen schlimmen Kriegsjahren gab es wenige Verdienstmöglichkeiten, da alle Arbeiten im Dorf zum Stillstand kamen. Um nun den Untertanen einen Verdienst anzubieten, ließ der Herzog in der sumpfigen Waldniederung viele tausend Klafter Holz schlagen, die vorhandenen Vertiefungen noch tiefer ausheben und einige Hügel abtragen. In den Jahren 1761 bis 1762 wurden Damm und Fluder erbaut. Der Teich war fertig und bekam den Namen Wilhelminenteich (die Herzogin hieß: Marie- Sophie-Wilhelmine, die Herzoginnentochter: Friederike-Sophie-Auguste- Christine) und hatte eine riesige Ausdehnung. Es war aber nicht möglich, diesen Teich so hoch anzudammen, weil das aus den Wäldern hingeführte Wasser immer wieder zurücktrat. Deshalb durchschnitt man in den Jahren 1765 und 1766 den Teich zweimal, schüttete Dämme auf und so entstanden drei kleinere Teiche. 

Der erste und größte der Teiche behielt seinen Namen, der mittlere wurde Augustenteich (später Mathildenteich) und der hintere Marienteich genannt. 

Wilhelminenteich 

Als im Jahre 1780 die Weinberge entstanden, wurde der Wilhelminenteich von den Bergen zurückgedrängt, weil man annahm, dass die Nähe des Wassers dem Wein nicht bekomme, ja sogar schade. Damals wurde ein Damm aufgeschüttet und dadurch ein Teilstück der Wiese umgewandelt. Erst Jahrzehnte später durchstach man den Damm wieder (eine neue, hochgewölbte Brücke führte damals über den Durchstich), und die neu angelegte Wiese wurde wieder in einen Teich verwandelt, der den Namen der Herzogin erhielt. 

Die Waldteiche in Carlsruhe haben immer etwas Geheimnisvolles an sich gehabt. Hier atmete man Märchenluft, hier entstanden die schönsten Wassermannsagen. Es war, als schauten unter den grünen Blättern der Teichrosen lauernde Wassergeister zu uns herüber, und hinter dem dunklen Ufergebüsch schien sich ein Waldgeist zu verbergen. Das Auge schwelgte in dieser seltenen Naturschönheit und mochte sich von ihr nicht trennen. --- Doch der Alltag mit seinen Aufgaben und Pflichten behielt die Oberhand.  

Mathildentempel