Carlsruhe

in Oberschlesien

 

Postamt

Post- und Fermeldewesen in Carlsruhe O.S.

(Autor: Marsch, Heinrich, letzter Postmeister in Carlsruhe 1935)

Es ergibt sich aus der Entstehungsgeschichte Carlsruhes von selbst, dass das erste und größte Verlangen nach einem Verkehr mit der Außenwelt bei dem Gründer des Ortes, dem Herzog und seiner Familie lag und dass dieser Verkehr, besonders mit dem etwa 50 km entfernten Ort seines Stammschlosses, Oels, anfangs nur durch reitende oder fahrende herzogliche Boten bewerkstelligt wurde. Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, dass auch die wenigen sonstigen Einwohner Carlsruhes von diesen Beförderungsangelegenheiten in beiden Richtungen haben Gebrauch machen dürfen, dass also in den ersten Zeiten Oels als Postausgangspunkt für Carlsruhe anzusehen ist. Dies scheint aber nicht lange der Fall gewesen zu sein, wenn auch vermutet werden kann, dass die Herrschaft Carlsruhe noch lange im direkten Verkehr mit Oels gestanden haben mag, als schon andere Postverbindungen bestanden. Über die Einrichtung dieser ersten Verbindungen sind zuverlässige Nachrichten nicht zu finden. Aus Akten der dortigen Evangelischen Kirche ist zu ersehen, dass die Briefe von dem für die Kirche zuständigen Superintendanten in Neustadt aus den Jahren 1766 und 1767 den Leitvermerk „per Brief“ trugen, dass also in den genannten Jahren bereits irgend eine postalische Verbindung mit Brieg bestanden haben muss. Ein Schreiben vom 09.07.1767 trägt den Vermerk: „Die Antwort bitte mir unter der Rubrique: von herrschaftlichen Sachen oder franco aus, indem wir sonst das Postporto alleine zur Last fallen würde, welches von 56 Schulen (das Schreiben betrifft eine Schulangelegenheit) immer einige Reichs-Taler beträgt“. 

Die Verbindungen müssen recht ungenügende  oder ungünstige gewesen sein, denn am 17.09.1803 wurde, vermutlich von der dortigen Einwohnerschaft ein „Expresser“ mit einem Schreiben an den Postmeister Albert in Oppeln wegen der „Einrichtung des Carlsruher Postwesens“ gesandt. Der Erfolg trat erst in 12 Jahren ein. Nach einem Schreiben des dortigen Rektors Fohmann hat dieser am 19.06.1809 einen Brief an den Pastor Richter in Malapane durch die Tage-Wache über Blumenthal und Kupp geschickt. Eine Verzögerung in der Übersendung von Silbersachen entschuldigt Fohmann in einem an den König gerichteten Brief vom 09.07.1809 mit der Entlegenheit der Örter „und dahin (nach Breslau) keine Post weder aus Malapane über Oppeln oder Namslau gesendet werden muss“. 

Endlich im Jahre 1815 wurde hier eine Postanstalt mit der Bezeichnung Postwärteramt gegründet und mit dem Postamt ins Namslau unterstellt. Wie lange diese Unterstellung gedauert hat bzw. wann Carlsruhe ein selbständiges Postamt wurde, konnte nicht ermittelt werden. Jedenfalls war Carlsruhe noch lange Zeit die einzige Postanstalt in der ganzen Umgebung. Denn 1871 gab es im Nordteil des Kreises Oppeln nur zwei Postanstalten, Carlsruhe und Kreuzbergerhütte. Als  dritte wurde damals Falkowitz angestrebt. Aber dagegen erhob der Oberförster in Königlich Dombrowka Einspruch, weil er seine Postsachen mit Gelegenheit von Carlsruhe erhielt, was ihm gelegener war als Falkowitz. Dagegen erbot er sich zur Übernahme einer Postagentur in Königl. Dombrowka und versprach, später dafür zu sorgen, dass ein pensionierter Förster sie übernehme. Sein Antrag wurde 1871 abgelehnt, die Agentur in Königl. Dombrowka wurde aber doch 1872 eingerichtet. Falkowitz hatte bis 1945 nur eine Poststelle, die zuständige Postanstalt wurde, vermutlich wegen der mehr zentralen Lage des Ortes nach Dammratsch gelegt, wo am 01.05.1893 eine Postagentur eingerichtet wurde.  

Die beiden Agenturen Königlich Dombrowka und Dammratsch wurden dem Postamt in Carlsruhe zugeteilt. Wann das dortige Postwärteramt selbständiges Postamt, zunächst Postexpedition wurde, ist leider nicht zu ermitteln. Nach einer Aktennotiz wurden die Postanstalten im Jahre 1874 in drei Klassen neu eingeteilt: in Postverwaltung, Postexpedition und Postagentur. Es ist aber anzunehmen, dass schon früher andere Einteilungen erfolgt waren, dass bereits um 1818 ein königlicher Postkommissarius ernannt wurde und sein Sohn 1839 vom Postamtadministrator Schauss in Namslau zum Postexpiditionsgehilfen verpflichtet wurde. 

Die Telegraphie in Carlsruhe

Im Jahre 1869 errichtete die „Telegraphie des Norddeutschen Bundes“ hier in Carlsruhe eine Telegraphiestation. Der erste Telegraphenbeamte war der Apothekerbesitzer Heyse. Die Station befand sich in der Hofapotheke an der Brieger Allee. Nach einem Vierteljahr musste jedoch der Apotheker den Dienst wegen Nervosität aufgeben. Noch im selben Jahr ging die Telegraphie deshalb Herrn Rösner über, der damals Versicherungsagent und später Polizeiverwalter und Standesbeamter war. Die Station wurde nach der Oppelner Allee in die Villa Therese verlegt, die Herr Rösner später ankaufte und nach seiner Frau benannte. Letztere, die 1927 als Witwe im Helenenheim starb, plauderte kurz vor ihrem Tode noch zahlreiche Erinnerungen an ihre Telegraphendienstzeit aus, die hier, weil sie interessante Zeitblicke gewähren, zum Teil verwendet sind. 

Die Telegraphenstation umfasste damals 1 Morseapparat und 1 Batterieschrank mit 30 Kupferelementen. In die Leitung, deren Nummer nicht bekannt ist, war nur Falkenberg, Oppeln und Carlsruhe eingeschaltet. Die Mindestwortzahl für Telegramme betrug 20, diese kosteten 50 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Carlsruhe war zu jener Zeit weit und breit die einzige Telegraphenstation, sein Bezirk dementsprechend sehr groß und umfasste Kupp, Murow, Kreuzburgerhütte, Königlich Dombrowka, Falkowitz, Schwirz, Bankwitz, Mangschütz und alle näher liegenden Ortschaften, nach denen Boten mit den eingegangenen Telegrammen gesandt werden mussten. Das Entgelt war den Zeiten entsprechend gering. So bekam ein biederer Schuhmacher von Carlsruhe bis Murow 50 Pfg Botenlohn. Der Telegrammverkehr war damals gewiss schon Verhältnismäßig rege, da das Herzogshaus mit den fürstlichen Verwandten, auch im Ausland, dauernd im lebhaften Gedankenaustausch stand. Sehr stark war aber auch der Telegraphenverkehr der Königlichen Eisengießerei in Kreuzbergerhütte und der Glashütte in Murow, besonders der letzteren. Die amtlichen Dienststunden der Telegraphenstation umfassten zwar nur die Zeit von 8 bis 12 Uhr und 2 bis 7 Uhr, Telegramme wurden aber jederzeit angenommen und abgegeben. Herr Rösner bezog für seine Dienste 120 Taler jährlich an Gehalt. 

Die während des Feldzuges 1870/71 eingegangenen offiziellen Siegesnachrichten, für welche das Alarm-Rufzeichen OKN bestimmt war, wurden von Apparatbeamten durch Abschreiben vervielfältigt, ein Stück an der Station ausgehängt und im übrigen den Angehörigen der jedes mal interessierten Kriegsteilnehmer Abschriftlich durch das Dienstmädchen des Herrn Rösner zugestellt, jedes derartige Telegramm erhielt aber die Frau Herzogin, deren Gemahl und Sohn im Großen Hauptquartier waren. 

Dass damals mit dem Amtsgeheimnis nicht so streng genommen wurde, möge folgende kleine Episode daran Erinnern. In der Nacht vom 26. zum 27. Februar 1871 rief die Station Oppeln die in Carlsruhe an und verband sie unerlaubterweise mit Breslau, welches der Frau Rösner unter der Hand von der Unterzeichnung der Friedensverhandlungen in Versailles Mitteilung machte. Natürlich konnte die gute Frau Rösner sich nicht enthalten, nach schlaflos verbrachter Nacht die freudige Nachricht der Frau Herzogin am Morgen zu übersenden. Letztere hatte nichts Besseres zu tun, als sofort alle Glocken bei den Kirchen läuten zu lassen. Ganz Carlsruhe und Umgebung schwamm im Glück, nur die arme Frau Rösner zitterte und bebte, denn die offizielle Nachricht blieb aus. Erst nachmittags um 4 Uhr ging sie endlich ein. Aber Frau Rösner dachte bis zu ihrem Tode noch mit Schrecken an die damaligen Stunden. Erwähnt sei noch als weiterer Beweis für die Schwäche des Telegraphengeheimnisses, dass Moritz Wandrey, der hier Polizeisekretär war, auf Einspruch der Carlsruher Kreismannschaft nicht als Vertreter des Herrn Rösner in der Bedienung des Apparates ausgebildet werden durfte, weil sein Bruder selbst hier Kaufmann war. 

Am 1. Juli 1875 wurde die Telegraphenstation mit der Post vereinigt und in das Kaiserin-Allee 26 gelegene Postgebäude verlegt, nachdem der damalige Postverwalter Marsch (II) in einem sechswöchigen Kursus beim Postamt in Oppeln ausgebildet worden war und den Befähigungsausweis erbracht hatte. Der Apparat kam in das allgemeine Dienstzimmer links vom Eingang und wurde vom Vorsteher und seinem Gehilfen bedient. Mit der Post zog er zunächst in das Gebäude am Schlossplatz und später in das jetzige Postgebäude an der Kaiserin-Allee. Der gute alte Morseapparat verrichtete von 1869 bis Dezember 1930, also 61 Jahre, seine treuen Dienste, anfangs mit der Papierrolle über dem Apparat und dem Schreibstift, der die Morsezeichen in den Papierstreifen nur einritzte, dann mit der Rolle unter dem Räderwerk und mit dem Farbrädchen. So hat er 60 Jahre hindurch seine Güte in erschöpfendster Weise bewiesen, wetterfest, nicht überempfindlich, nicht launenhaft, durch kein besseres System zu verdrängen.  Unverdrossen hat er alle die guten und bösen Nachrichten, die in Carlsruhes Schloss und stille Bürgerhäuschen Freude und wohl mehr noch Trauer brachten, befördert. Wie die rohen Siegesnachrichten aus dem kurzen Kriege 1870 und 1871, so auch die aus dem blutigen, endlosen Weltkrieg. Wie viel Jubel und Glück verbreitete er, wenn am Postamt die Siegesfahne empor stieg und jung und alt, hoch und niedrig zur Post strömte, um die ausgehängten Nachrichten zu lesen.  

Die „Telegraphie des Norddeutschen Bundes“ erhielt 1871 die Bezeichnung „Kaiserliche Generaldirektion der Telegraphie (2. Abteilung des Reichskanzleramtes)“ und stand bis 1875 unter dem Generalmajor Meydamm, dann unter dem Generalpostdirektion Stephan, unter dem am 1. Januar 1876 ihre vollständige Vereinigung der Post erfolgte. 

Das Fernmeldewesen und Entwicklung der Postverbindungen

Über die Zeit der Einrichtung der ersten Telegraphenleitungen mit Fernsprechbetrieb-Sp-Leitungen -  ist nichts bekannt. Er dürfte wohl bald nach der Vereinigung der Telegraphie mit der Post, also nach 1875, geschehen sein, dass eine solche Leitung nach der Agentur Königlich Dombrowka gelegt worden ist. 

Das dortige Fernsprech-Ortsnetz wurde am 03.02.1904 mit 5 Anschlüssen eröffnet. Diese 5 Anschlüsse hatten die Carlsruher Firmen Ad. Kraemer, Franz Klupsch, S. Gottheiner, A. Marx und Gustav Rüster inne. Am Schluss des Jahres 1907 bestanden schon 12 Anschlüsse, von denen in dem genannten Jahre 5999 Orts- und 4240 Ferngespräche geführt worden waren. Ende 1912 betrug die Zahl der Anschlüsse schon 20, so dass der bisherige Klappenschrank für 20 Teilnehmer ausgewechselt werden musste. Ende 1920 waren 42 Hauptanschlüsse vorhanden und die Zahl der Orts- und Ferngespräche in den genannten Jahren betrug 33814 bzw. 21783, 1926 betrug die Zahl der Hauptanschlüsse 53. 

Wie bereits oben erwähnt wurde, liegt über die Geschichte der Postverbindungen vor 1815 tiefes Dunkel. Außer den Privatverbindungen des Herzoglichen Hauses mit Öls scheint auch schon frühzeitig eine amtliche Verbindung mit dem Postamt Brieg bestanden zu haben, über deren Beförderungsart und Häufigkeit jedoch nichts verlautet. 

Die postalische Versorgung Carlsruhes ist jedenfalls von Brieg aus erfolgt, denn eine dortige Posthalterei ist zuerst 1818 erwähnt, als der Postverwalter Marsch I. das Haus an der Schlossallee bezieht. 

Das neue Postwärteramt war dem Postamt Namslau unterstellt, das jedenfalls gleichzeitig bezüglich der postalischen Versorgung des Ortes an die Stelle Briegs trat, denn zur damaligen Zeit war die Verbindung mit Namslau durch eine wöchentlich zweimalige Karriolpost hergestellt. Als Marsch I. am 31.10.1841 starb, hinterließ er seinem Sohn nicht nur das Haus Nr. 66 in der Schlossallee und 4 Morgen Ackerland, sondern auch das Posthalterei-Inventar, bestehend aus 8 Pferden nebst den erforderlichen Wagen, wobei 4 Postillione zu unterhalten waren. In den nächsten Jahren entwickelten sich die Verbindungen und mit ihm der Postfuhrbetrieb derartig, dass tägliche Personenposten mit den Nachbarstationen Brieg, Namslau, Oppeln (seit 1855) und eine Zeitlang auch mit Konstadt sowie eine Karriolpost nach Kreuzburgerhütte eingerichtet werden mussten. Im letzteren Ort bestand bereits seit 1775 die damals sehr wichtige Eisenhütte und mit ihr wurden auch die bereits 8 Häuser mit 24 Familien zählende Kolonie Friedrichsthal und das von ihr eine halbe Meile entfernte Murow mit seiner Glashütte postalisch versorgt. Entsprechend diesem Verkehrsaufschwung erweiterte sich naturgemäß auch die Carlsruher Posthalterei, so dass schließlich 6 Postillione mit 18 Pferden und dem dazugehörigen Wagenpark im Postdienst tätig waren. Aber diese Blütezeit des Postfuhrbetriebes dauerte nicht lange. Infolge Einrichtung von Zwischenstationen (Relais) in Mangschütz, Schwirz und Brieg verringerte sich bald die Anzahl der zu stellenden Pferde und Wagen. Marsch II. übernahm zwar eine in Mangschütz neu eingerichtete Zwischenstation und setzte sie anfänglich mit 2 Postillionen und 4 Pferden, dann mit 3 Postillionen und 6 Pferden, gab dieses Geschäft aber am 31.12.1854 als wenig lohnend wieder auf. 

Der Postverkehr erfolgte meistens nachts. Die Personenpost nach Schwirz - Brieg ging in Carlsruhe um 11 Uhr ab und kehrte um 3.45 Uhr zurück, die nach Kupp - Oppeln ging um 3 Uhr ab und traf um 7 Uhr in Carlsruhe wieder ein. – Aus einem Vermerk in Gerichtsakten ist zu entnehmen, dass im Jahre 1862 die zurück fahrende Post abends um 7 Uhr in Oppeln abfuhr. – Nach Ankunft der Post von Brieg um 3.45 Uhr ging um 4.30 Uhr eine Botenpost nach Kupp ab. Zur selben Zeit fuhr die Personenpost nach Namslau ab, die um 12 Uhr zurückkehrte. Nachts gingen also regelmäßig 3 Posten ab und 1 kam an, so dass daraus ein strammer Nachtdienst entstand, der für die 2 Beamten, 2 Unterbeamten und die Postillione wenig angenehm war. Dabei herrschte strengste Dienstzucht. Laut Dienstbuch wurde der Postillon M. wegen frechen Betragens und weil er die Pferde ohne Aufsicht gelassen hat, mit 12 Stunden Gefängnis bestraft. Für jeden Monat wurde ein Führungszeugnis im Dienstbuch der Postillione eingetragen und dabei jedes Mal ein Vermerk über das Blasen des Posthorns. M. war von 1859 bis 1866 Postillon. Nach dem er noch am 07.09.1866 Gesund die Oppelner Personenpost befördert hatte, starb er am nächsten Tage an Cholera.

Für die Jahre 1854 bis 1869 gab es die zwischen der Oberpostdirektion in Oppeln und dem Carlsruher Posthalter abgeschlossenen Fuhrverträge, die alle 2 Jahre erneuert werden. Danach waren damals von der Personenpost Carlsruhe – Oppeln die Teilstrecke Carlsruhe – Kupp,  von der Personenstrecke Carlruhe – Schwirtz täglich und eine Karriolpost Carlsruhe – Kreuzburgerhütte werktäglich zu fahren, wofür der Posthalter monatlich 112 Th. 2 Sgr. 3 Pf. später 131 Th. 18 Sgr. 9 Pf. erhielt. Der Fuhrbetrieb der Strecke Carlsruhe – Namslau und der Teilstrecken Kupp – Oppeln und Schwirz – Brieg war in Namslau bzw. Oppeln und Brieg untergebracht. Im Jahre 1868 wurde die Karriolpost nach Kreuzburgerhütte aufgehoben. Für die Beförderung von Personen mittels Extraposten, die nach allen Richtungen gestellt werden mussten, wurde besondere Vergütungen gezahlt, die 16 Sgr. 3 Pf. für die Tourmeile betrugen. Für den unchaussierten Weg nach Kreuzburgerhütte, jedenfalls über Waldvorwerk-Schwarzwasser, galten höhere Sätze. Von 1856 ab wurden Feuerungszuschüsse gewährt, die sich nach dem mittleren Durchschnittspreis des Berliner Scheffels Hafer nach amtlicher Feststellung der Königlichen Regierung zu Oppeln richteten. 

Nach einem vorliegenden Zettel ohne Jahresangabe betrugen die Kosten für eine Extrapost von Carlsruhe nach dem 3 Meilen entfernten Schurgast. 

  1.  für 3 Pferde à 1 Taler., 3 Taler

  2.  für 1 Wagen, - 15 Silbergroschen 3 Pfennige.

  3. Trinkgeld – 11 Silbergroschen

  4. Schmiere und Bestellgeld, - 5 Silbergroschen – 

1854-1856 führ die Personenpost Carlsruhe - Schwirz 9,5 km auf unchaussierten Wege, vermutlich Brieger Allee, Hirschteich, Christianhof, Krogullno, Städtel, Schwirz. Die Beförderungszeiten betrugen von hier nach Kupp, 11 km, 1 Std. 5 Min.; Carlsruhe - Kreuzburgerhütte, 13 km, 1 Std. 45 min. Von 1864 ab ist der Weg nach Kreuzburgerhütte zu 5 km als chaussiert, zu 7,5 km als unchaussiert bezeichnet. Die Postbeförderungsdauer blieb unverändert. (Für die Umstellung und Reinigung der Königlichen Wagen wurden anfangs 48 Taler, später nur noch 30 Taler. Jährlich gezahlt. Laut einer Statistik betrug die Zahl der in der Zeit vom 10. März 1864 mit allen Personenposten ankommenden Personen 69.) 

Da die Personenposten zum Teil abends ankamen, zum Teil frühzeitig abgingen und auch am Tage für die Durchreisenden stundenlange Überlager notwendig waren, musste seitens der Postverwaltung für die Unterkunft und Verpflegung der Umsteigenden gesorgt werden. Der Posthalter hatte deshalb ein Zimmer, die so genannte Passagierstube, jedoch ohne Schlafgelegenheit, bereitzustellen und auf Verlangen einen kleinen Imbiss sowie Tee, Kaffee, Milch und Kakao, jedenfalls nur alkoholfreie Getränke, zu verabreichen. Die äußerst niedrig bemessenen Preise waren durch Türanschlag bekannt gegeben. Die Miete für alle Diensträume (Schalterraum, Dienstzimmer, Packkammer, Wachstube und Passagierstube) in dem Gebäude an der Schlossallee betrug 1854 36 Taler jährlich, für die halbe Anzahl Räume 1857 in der Kaiserin-Allee 80 Taler. Die Räume in diesem letzteren Hause erforderten nach einer vorhandenen Notiz im Jahre 1866 16 Klaftern Holz und 10 Tonnen Steinkohle zu 22 ½  Silbergroschen im Gesamtwert von 84 Taler 25 Silbergroschen einschließlich Anfuhr und Spalterlohn von Heizmaterial. 

Das Postfuhrwesen war bereits 1871 aus staatlichen in Privat-Regie übergegangen. Marsch II. blieb bis zu seinem am 15.06.1898 erfolgten Tod in seinem Haus wohnen. Einen kleinen Teil des Gartens hatte er 1896 an den Lokomotivführer a. d. Julius Haase (später Romberg), die größere Hälfte des ganzen Gartens 1897 an die Malerin Mathilde Buchholz (später Holzhändler Schmidt) zum Hausbau verkauft. 

Am 01.10.1879 wurde das Postamt nach dem Herzoglichen Haus am Schlossplatz zwischen Kaiserin- und Kirch-Allee verlegt, das sich später im Besitz des Kaufmanns Eugen Vogel befand. Die Post war im Mittelbau mit dem Schaltereingang vom Süden aus untergebracht, in dessen Erdgeschoß sich jetzt die Stadèsche Schuhfabrik befindet. 

Im August 1897 wurde das Postamt und die Dienstwohnung des Postamtsvorstehers beherbergende, seit dem 25.06.1931 reichseigene Postgebäude an der Kaiserin-Allee bezogen, das von der Herzoglichen Verwaltung neu erbaut und nach den Bauplänen zunächst nur für Postzwecke gedacht war. Leider fand das im Entstehen begriffene Gebäude nicht den Beifall des Bauherrn, des Herzogs Nikolaus von Württemberg. Infolgedessen wurde der Bauplan geändert und ein Anbau hergestellt, der bei gemeinsamem Eingang und Treppenaufgang noch 3 Privatwohnungen enthält. 

Leider muss auch gesagt werden, dass die Bauverwaltung, auch abgesehen von dieser Verschlechterung, es nicht verstanden hatte, ein, dem sonst für Carlsruhe durchweg geltenden ländlichen Baustil sich anpassendes Gebäude zu errichten.

Personalien des Postwesens

(Postamtvorsteher, Namen und Amtsdauer.) 

  1. Wilscheck, Lehrer, im Nebenamt, Postamtsvorsteher, 1815-1818

Ging 1818 vom Schulfach ganz ab und trat zum Postdienst über, wurde Postdirektor in Brieg und starb als Postdirektor in Glaz gegen 1875. 

  1. Marsch, Christian Erdmann, 1818-1841

Geboren 15.12.1766 in Breslau, 1794 als Herzoglicher Amtschirugus nach Carlsruhe berufen, einige Jahre später zum Hof-Chirugus und Bürgermeister ernannt, übernahm 1818 auf Ansuchen des Herzogs die Geschäfte als Königlicher Postkommissarius, verblieb bis an sein Lebensende Gemeinderatsmitglied, bekam nach mehrjähriger Amtszeit als Postkommissarius den Titel Postverwalter, war von 1829 ab, da das neu eingerichtete Steuerwesen in damaliger Zeit vielfach, namentlich in kleinen Orten zunächst mit dem Postwesen vereint war, nebenbei auch noch Königlicher Steuer- und Stempelrendant, starb am 31.10.1841. Vom 31.10.1841 bis 12.2.1842 interimistische Verwaltung der Post durch den Sohn des verstorbenen, Postexpeditions-Gehilfen Heinrich Gustav Marsch, der noch minderjährig war. 

  1. Schulz, Steueraufseher, 1842-1847

Die Postamtsvorsteherstelle war nach den damaligen Bestimmungen von der Steuerbehörde zu besetzen. Nach der Vertretungsweisen Verwaltung durch den Postexpeditionsgehilfen gingen Postexpedition und Steuer am 12.02.1842 auf den aus Hundsfeld nach Carlsruhe versetzen Steueraufseher Schulz über, während dem Marsch nur die Posthalterei verblieb. Aber auch nach der Übernahme der Postexpedition durch Schulz führte Marsch deren Dienstgeschäfte noch lange weiter, da Schulz auf diesem Gebiet jeder Fachkenntnisse ermangelte. Schulz starb 1847. Nach seinem Tode, erfolgte die Besetzung der Postdienststelle wieder mit einem Postfachmann und die Trennung von der Steuerbehörde, zumal sich heraus gestellt hat, dass der Postdienst die Hauptbeschäftigung bildete. 

  1. Klehmet, Heinrich Alexander, 1847-1851

Über die Person und Herkunft des Klehmet konnte nichts ermittelt werden. Bekannt ist nur, dass er von Carlsruhe am 01.01.1851 nach Cosel als Vorsteher der dortigen Postverwaltung versetzt worden ist. 

  1. Marsch, Heinrich Gustav, 1851-1879

Geboren am 06.08.1820 in Carlsruhe, widmete er sich nach seiner Konfirmation dem Postdienst und unterstütze in diesem seinen Vater, besorgte nebenbei auch die Posthalterei und die Orts- Briefbestellung. Am 16.06.1839 durch den Postamts-Administrator Schauhs in Namslau zum Postexpeditionsgehilfen verpflichtet, versah er von da an den ganzen Postdienst fast ganz, da sein Vater kränklich und mit seiner ärztlichen Praxis und den Steuergeschäften vollauf beschäftigt war, Aber auch nach dem 1841 eingetretenen Tode seines Vaters wurde Heinrich-Gustav Marsch wie bereits oben ausgeführt, noch nicht dessen Nachfolger als Postamtsvorsteher, sondern erst 10 Jahre später, am 01.01.1851. An diesem Tag wurde ihm die Postexpedition endgültig übertragen. 

Am 01.02.1859 wurde hier unter der Bürgschaft des Herzogs Eugen-Erdmann und mit der Genehmigung des Ober-Präsidenten sowie der Postbehörde eine Orts-Sparkasse ins Leben gerufen und auf besonderen Wunsch des Herzogs dem Marsch übertragen, der sie bis 01.01.1892 verwaltete. Diese Kasse übernahm dann der Hofapotheker Roth. Sie wurde später zur Nebenstelle der Kreissparkasse Oppeln umgewandelt. Das Gehalt des Postverwalters stieg in den Jahren 1851-1879 von 120 Taler auf 547 Taler (1640 Mark) jährlich, die Schreibgehilfenvergütung von 60 Th. Im Jahre 1851 auf 180 Th. Im Jahre 1867. 

Bis zum Jahre 1863 war das Orts-Briefbestellgeld dem Postexpediteur zugeflossen, der dafür den Orts-Briefträger zu unterhalten und sonstige Dienstausgaben zu bestreiten hatte. Nachdem 01.07.1863 ab die Erhebung von Bestellgeld „nicht nur für Sendungen unter portofreien Rubrum, sondern auch für die übrigen frankiert ausgelieferten Sendungen“ fortgefallen war, trat dafür eine Entschädigung, aus deren Berechnung zu ersehen ist, dass im Mai 1863 hier das Ortsbriefbestellgeld 20 Th. 41 Sgr. erbracht hatte. Die Vergütung für Amtsbedürfnisse betrug 1863-1867 jährlich 112 Th. 

Die am 01.07.1875 erfolgte die Ausbildung des Marschs im Telegraphendienst und die Übernahme dieses Dienstzweiges. Am 01.10.1879 wurde Marsch auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt, nachdem ihm bereits am 18.01. desselben Jahres von Sr. Majestät dem Kaiser der Kronen-Orden IV. Klasse verliehen worden war. Am 15.06.1898 starb Marsch in seinem Haus. 

Beim Abschluss dieses Kapitels seien einige Bemerkungen über die Beschäftigung der Dienstanfänger beim Carlsruher Postamt aus dieser Zeit gestattet. 

Die Namen aller von 1854 bis 1878, also in 24 Jahren, beim Carlsruher Postamt unter dem Postverwalter Marsch II. beschäftigt gewesenen 22 Postexpeditionsanwärter, Postexpeditionsgehilfen, Postgehilfen, und Postassistenten sind hier bekannt.  

Das Gehilfen-Adjutum wurde 1863 auf 150 Th. jährlich festgesetzt. Von 1867 ab bezog der hier beschäftigte Postgehilfe 15 Groschen Tagegeld, von 1869 ab 20 Gr. Er hatte im allgemeinen den Annahme- und Abfertigungsdienst zu verrichten und wöchentlich an 2 Nachmittagen frei. Ebenso wurde er zweimal wöchentlich vom Vorsteher im Nachtdienst (Spät- und Frühdienst) vertreten. Sein wöchentliches Leistungsmaß betrug 72 Tages- und 10 Nachtdienststunden. 1874 waren hier außer dem Vorsteher beschäftigt: 1 Postgehilfen nebst 2 Privat-Unterbeamten, welch letztere abwechselnd den Bestelldienst für Briefe und Pakete besorgte, 1 Landbriefträger und 2 Privat-Postfußboten. 

  1. Günther, Postverwalter, 1879-1881

Vorher das Postamt in Proskau verwaltet, am 02.10.1879 die Verwaltung des dortigen Postamts übernommen. Am 01.08.1881 in den Ruhestand getreten und verzogen. 

  1. Kunze, Postverwalter, 1881-1911

Kam aus Preußisch Oderberg. Trat am 01.04.1911 in den Ruhestand und verzog nach Breslau, wo er noch im selben Jahr starb. 

  1. Marsch, Heinrich Otto August, 1911-1924

Am 22.04.1867 in Carlsruhe als Sohn des Postverwalters Heinrich-Gustav Marsch geboren; nach Besuch des Pro-Gymnasiums in Namslau und des Gymnasiums in Brieg bis einschließlich Obertertia, am 17.05.1884 in Schurgast als Postgehilfe in den Postdienst eingetreten; am 15.11.1888 die Assistentenprüfung bestanden; am 01.04.1893 als Ober-Postassistent ernannt; am 01.07.1902  in Woischnik zum Postverwalter ernannt; am 01.04.1911 auf eigenen Antrag und auf Befürwortung Ihrer Königlichen Hoheit der Herzogin Alexandrine-Mathilde von Württemberg nach Carlsruhe versetzt; am 01.01.1912 den Titel Postsekretär erhalten; am 16.07.1915 von Sr. Majestät dem König Wilhelm II. von Württemberg das Württembergische Verdienstkreuz in Silber; am 01.10.1920 das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten; am 07.06.1921 bei der Ober-Postdirektion in Oppeln die Sonderprüfung bestanden; am 29.9.1921 den Schlesischen Adler II. Stufe, am 30.09.1921 zum Postmeister ernannt; am 13.09.1923 die Verwaltungsprüfung in Oppeln bestanden und am selben Tage in Besoldungsgruppe VII a überführt; am 01.02.1924 in den einstweiligen, am 01.08.1932 in den dauernden Ruhestand versetzt; lebt zur Zeit 1935 noch hier in seinem väterlichen Hause. 

  1. Überschär, Karl, Postmeister,

1924 bis zur 1945, wurde am 01.02.1924 von Falkenau hierher versetzt.

Die Post wurde am Abend zugestellt

Alle diese Verbindungen wurden 1871 aufgehoben und es wurde, von da ab Privat-Fuhrgelegenheiten von Carlsruhe nach Brieg bzw. Namslau und Oppeln zur Beförderung der Postsendungen benutzt. Hierdurch trat eine wesentliche Verschlechterung der Carlsruher Postverbindungen ein. Die täglichen einmaligen Verbindungen mit Brieg, Namslau und Oppeln blieben aber bis zur Einrichtung der Eisenbahnlinie Namslau - Oppeln im Jahre 1888 bestehen. 

Die Privatperson, zu denen Omnibusse benutzt wurden, wurde von 1871 ab zunächst noch vom bisherigen Posthalter Marsch ausgeführt. Später wurden Privatfuhrverträge mit anderen Personen, zuerst mit dem Gastwirt Schulz aus dem Hotel Stadt Meiningen, dann mit dem Schmiedemeister Sloty von der Sophienallee abgeschlossen. 

1874 gelangte außer der Fahrpost eine Botenpost nach Kupp zur Einrichtung, die durch einen hierzu angenommenen Privat-Postfußboten früh um 4.30 Uhr befördert wurde und von Kupp weiter nach Kreuzburgerhütte ging. 1878 bestanden 3 Privat-Personenposten nach Brieg, Namslau und Oppeln. 

Ferner verkehrten 1878 2 Botenposten, eine nach Königlich Dombrowka (ab 6 Uhr, an 3 Uhr), die andere nach Kreuzburgerhütte (5 ½  Uhr, an 9 Uhr), letztere wurde dauernd von Huschke besorgt. Diese Personen- und Botenpost verkehrten bis zur Eröffnung des Eisenbahnbetriebs im Jahre 1888. Von diesem Zeitpunkt ab fielen sie alle weg und für die Botenpost nach Königlich Dombrowka wurde eine fahrende Landbriefträgerpost dafür über Dammratsch eingerichtet, die jedoch vom 01.04.1922 bis 31.03.1925 vorübergehend aufgehoben und durch eine Botenpost ersetzt worden war und die Einrichtung nach Konstadt am 01.11.1930 ganz wegfiel. 

Bezüglich der Ortsbestellung ist nur bekannt, dass im Jahre 1878 2 Privat-Unterbeamten, der eine den Kastenleerungs- und Innendienst, der zweite die täglich zweimalige Ortsbestellung einschließlich der Paketbestellung zu verrichten hatte. Von 1879 ab wurden 3 Privat-Unterbeamte beschäftigt, von denen der eine Inneres, und Paketbestellung, die beiden anderen die täglich dreimalige, später sogar viermalige Ortsbestellung zu besorgen hatten. Die Post wurde abends um 8 Uhr noch einmal die mit der Abendpost von Oppeln angekommenen Briefe im ganzen Ort zugestellt. 

Die Verbindung mit den Landorten der nächsten Umgebung von Carlsruhe wurde noch in den Jahren 1875 bis 1878 durch 2 Landbriefträger (Gerstenberger und Manja) ausgeführt, von denen täglich der eine vormittags Sophieninsel, Weinberg, Hoffmannsruh, Schweizerei, Schweden-Schloss, Blumenthal, Tauenzinow, Schwarzwasser; nachmittags Gründorf, Krogullno, Seidlitz, Christianshof und bei Stoberhochwasser Franzenshof und Böhlitz; der zweite Jaginne, Sabinietz, Kosuben, Dammratsch, Falkowitz, Schwierzowski, Liebenau, Jagenow, Kopaline, Dammratschhammer, Schubenik, Königlich Dombrowka, Neuwedel, Paris und Forsthaus Jaginne zu belaufen hatte. Ein dritter Landbriefträger hatte die Botenpost nach Murow und Kreuzburgerhütte zu befördern. Doch schon 1878 muss eine Änderung erfolgt sein, denn von da ab waren schon Verkleinerungen der Reviere eingetreten, indem der zweite Königlich Dombrowka und die zugehörigen Ortschaften nicht mehr zu begehen brauchte. Dagegen hatte dieser zweite Landbriefträger werktäglich auf der Stoberbrücke bei Sobitze einen Kartenschlusswechsel mit dem Landbriefträger aus Noldau. 

Die Betriebseröffnung bei der Nebenbahn Namslau - Oppeln erfolgte am 01.10.1888, diejenige der Nebenbahn Kreuzburg - Jellowa ein Jahr später. Kurze Zeit nach der Inbetriebnahme der letzteren erfolgte bahnseitig zum Schaden Carlsruhes und der sämtlichen an der Bahnlinie Namslau - Jellowa gelegenen Ortschaften und deren Umgebung die Änderung, dass nicht mehr die Kreuzburger, sondern die Carlsruher usw. in Jellowa bei fast allen Zügen umsteigen mussten, obgleich die Stadt Kreuzburg über Vossowska noch eine zweite Verbindung mit Oppeln hat. 

Vom 23.02.1920 ab, war das Postamt Carlsruhe wegen der Einbeziehung des Ortes Dammer (Kr. Namslau) in das oberschlesische Besatzungsgebiet auch die dortige Postagentur zugeteilt. Die Aufhebung dieser Maßnahme erfolgte nach dem Abrücken der fremden Truppen von Dammer und Carlsruhe und Wiedervereinigung Oberschlesiens mit dem Reiche am 01.10.1922. 

Bauliche Unterbringung der Post und die besondere Bedeutung von Postgebäuden

Die Postanstalt war nach ihrer Gründung im Jahre 1815 bis zum Jahre 1818 räumlich vermutlich in der Wohnung des evangelischen Lehrers Wilscheck an der Kirchallee untergebracht. Als erster Postmeister ist also der Lehrer Wilscheck, als erstes Posthaus das evangelische Schulhaus der I. Klasse anzusprechen. Wilscheck gab bald, vermutlich schon 1818, die Schulmeisterei auf, ging zur Post über, wurde 1818 angeblich Postdirektor in Glatz. Bei seinem Weggange von Carlsruhe siedelte das  Postamt nach der Schlossallee über, wo der 1818 zum Königlichen Postkommissar ernannte Chirurgus Christian-Erdmann Marsch aus Breslau bereits seit dem 17.05.1794 das Grundstück der Witwe seines Vorgängers, des Chirurgen Doederlein, besaß und bewohnte. Marsch hatte dieses Grundstück für 480 Taler gekauft. Es ist die Besitzung, in der sich später der Kraemersche Ausschank und das Gottheinersche Geschäft befanden. An dem Haus befand sich ein großer Garten. Bei seinem Tod am 31.10.1841 hinterließ Christian-Erdmann Marsch (I) das Grundstück nebst 4 Morgen Ackerland und die Posthalterei seinem Sohn Heinrich-Gustav Marsch (II). 

Von der Schlossallee wurden Postamt und Posthalterei am 01.04.1857 nach dem Grundstück Nr. 174, Kaiserin-Allee 18 (später 26/28) verlegt. Die Gebäude auf diesem Grundstück, waren 1818 vom Herzoglichen Forstmeister von Böckelberg erbaut und von diesem 1846 das ganze Grundstück an den Sanitätsrat Dr. Freund für 2100 Taler verkauft worden. Hierzu gehörte ein 10 Morgen großer Garten, der die Fronten an der Neue-Welt und an der Karlstraße mit umfasste. Nachdem Dr. Freund durch Schaffung des Carlsruher Bades sein ganzes Vermögen verloren hatte, kam das Grundstück am 19.11.1856 zur Zwangsversteigerung. 

Die Verkehrsverhältnisse im I. Weltkrieg und in der Nachkriegszeit

Der I. Weltkrieg 

Der Weltkrieg und seine Folgen hat auch das kleine, Welt abgelegene Carlsruhe seinen unauslöschlichen Stempel aufgedrückt. Von der hehren Begeisterung der ersten Tage und Monate bis zum furchtbaren Zusammenbruch, von der die Gemüter aufpeitschenden Mobilmachungsdepesche vom 01.08.1914 bis zu der die Herzen aller so treuen Carlsruher starken machenden Kunde: „In Berlin ist Revolution, der Kaiser hat abgedankt“ hat der kleine stille Ort alle Phasen ausgekostet. Kaum war der erste große Taumel der Mobilmachungstage verrauscht, als auch schon im ganzen Lande die Angstpsychose vor Spionen und die Suche und Jagd nach solchen allenthalben hohe Wellen schlug, die bis ins stille Carlsruhe zu spüren waren. Als kurz nach dem Kriegsbeginn täglich und oft mehrmals täglich die telegraphischen offiziellen Mitteilungen, dass Automobile mit großen Summen Goldes auf rasender Fahrt von Frankreich nach Russland durch Deutschland begriffen seien, wie Blitze einschlugen, da ergriff auch die Carlsruher die allgemeine Nervosität. Die alte, biedere Schützengilde, diese Verkörperung besten Bürgertums, trat auf den Plan. Am Eingang der Kaiserin-Allee, etwa in der Höhe der Villa Kempler, wurde eine Barrikade zum Aufhalten der Millionenautos errichtet, die bei Tag und Nacht von den braven, scharf bewaffneten Schützenbrüdern bewacht wurden. Doch – die Autos kamen nicht!

Personalverhältnisse

Die einschneidensten Umwälzungen brachte der Krieg naturgemäß auch hier in den Personalverhältnissen des Postamts mit sich. Während die Einstellung von weiblichen Beamten sonst weder vom Postamtsvorsteher, noch von den Mitarbeitern, noch auch vom Publikum mit Freude begrüßt worden war, erwies sich diese Maßnahme während des Weltkriegs als überaus segensreich. Bis zum 30.06.1911 waren hier im mittleren Beamtendienst außer dem Vorsteher 4 Hilfsarbeiter (3 Assistenten, 1 Gehilfe) dauernd beschäftigt. Am 01.07.1911 wurde die erste Gehilfin (Ruth Jana) eingestellt. Beim Kriegsausbruch waren schon 3 Gehilfinnen und nur noch 1 Assistent vorhanden. Doch auch dieser letzte männliche Beamte (Bruno Endler aus Stargard) wurde schon am 22.08.1914 zu den Fahnen gerufen. Und nun begannen die entsetzlichen 4 Kriegsjahre mit ihren maßlosen Anforderungen an die geistigen und körperlichen Kräfte der einheimischen Beamten und Unterbeamten, von denen letzteren schließlich von 9 Mann nur noch einige wenige, die ältesten und minder leistungsfähigen zurückblieben. Zwar traten immer mehr Verkehrseinschränkungen ein, aber auf der anderen Seite auch immer neue, ungewohnte und wesensfremde Anforderungen an die Wenigen heran, wie die immer schwieriger werdende Bearbeitung der Feldpost, doppelt erschwert durch die völlige Ahnungslosigkeit der Damen auf dem Gebiet jeder militärischen Organisation. Dieser Mangel konnte auch durch besten Willen und den höchst anerkennenswerten Eifer und Fleiß der jungen Mädchen kaum wettgemacht werden. Auch die geographischen Vorkenntnisse waren recht ungenügend. 

Dazu kamen die immer schlechter werdenden Ernährungsverhältnisse, die in der so landwirtschaftsarmen Gegend durchaus nicht viel besser waren, wie in den Städten. Auch wenn Carlsruhe meilenweit von Wäldern umgeben war, in denen vereinzelt kleine Dörfer mit noch kleineren Bauernstellen lagen. Aber selbst die vorhandenen geringen Bodenschätze konnten nur zum kleinsten Teil gehoben werden, da die Bauern und ihre erwachsenen Söhne einberufen waren. Das diesen Schwierigkeiten die weiblichen Beamten auch körperlich noch weniger gewachsen waren, als die männlichen, ist verständlich. So kam es, dass der Verkehr vielfach nur mit 1 oder 2 Gehilfinnen den Postdienst verrichten musste. Immerhin wären diese Verhältnisse vermutlich noch viel schlechter gewesen, wenn die weiblichen Kräfte nicht vorhanden gewesen wären.

Inzwischen war der für alle ganz neue Päckchenverkehr eingeführt worden und derart angewachsen, dass an einem Tag bis zu 18 großen Säcken mit Päckchen bearbeitet werden mussten.  

Doch auch hier während des Krieges zeitweise, aber auch gleichzeitig untergebrachten 5 Reservelazarette (Gartensaal, Helenenstift, Paulsburg, Schwarzer Adler und Stadt Meiningen) mit ihren ständig wechselnden Insassen verursachten eine nicht geringe Arbeitslast. Unter der Belegschaft des Reservelazaretts im Gartensaal befand sich eine Zeitlang eine größere Anzahl griechischer Soldaten, die von dem in Görlitz internierten griechischen Armeekorps stammten und lungenkrank waren. Gar manchen dieser armen Fremdlinge deckt die Erde des evangelischen Friedhofs in Carlsruhe. Ihre Grabhügel standen in treuer Obhut und Pflege des evangelischen Jungmädchenvereins. 

Im allgemeinen muss bezüglich des Postpersonals anerkannt werden, dass alle Beamten und Unterbeamten und nicht zumindest die weiblichen während der schweren Jahre ihre ganze Kraft in aufopfendster Weise in den Dienst gestellt haben. 

Statistisches

Finanziell hat sich der Krieg hier dahin ausgewirkt, dass der etatmäßige Zuschuss für das Postamt in den Jahren 1913 bis 1918 um 61 %. gestiegen ist, obgleich die etatmäßigen Einnahmen ebenfalls um 60,2 %, der Erlös für Postwertzeichen um 64,2 %, die Telegraphengebühren um 64,7 % und schließlich die Fernsprechgebühren um 28,4 % gestiegen waren. Der bare Geldumsatz war von 2,9 im Jahre 1913 auf fast 5,5 Millionen Mark, also um 46,7 % im Jahre 1918 angewachsen. 

Die Zahl der ausgelieferten Pakete stieg in der bezeichneten Zeitspanne um 48,1 % auf 24610 Stück. Hierbei sind jedoch die Feldpostpakete mit in begriffen. Sehr gering war das Anwachsen des Verkehrs bei den eingegangenen Paketen, es betrug in den fraglichen 6 Jahren nur 6,5 %. Im ganzen gingen 1918 21765 Pakete ein. Dies ist auf das fast völlige daniederliegen des Geschäftsverkehrs am Kriegsende zurückzuführen. 

Der Telegrammverkehr war während des Krieges auf 10780 Stück jährlich, also um 50,6 %, die Zahl der Telefongespräche dagegen nur auf 24777 St. um 4,9 %  angewachsen. 

Die Verkehrsverhältnisse

Eisenbahn

Besonders fühlbare Einschränkungen brachte der Krieg naturgemäß an Verkehr außerhalb mit sich. Vom dritten Mobilmachungstage ab bis 5. November 1914 war der Friedensfahrplan der Eisenbahn auf der Nebenstrecke Namslau - Jellowa aufgehoben und dafür ein Militärlokalzugfahrplan eingerichtet, bei dem die Verkehrs-Bedürfnisse der Zivilbevölkerung und der Post nur ein beschränkte Berücksichtigung finden konnten. 

Ein edler Wetteifer ergriff die ganze Bevölkerung des Ortes und der umliegenden Dörfer, die nicht ahnten, in welcher schweren Gefahr sich schon damals Schlesien befand, als in der zweiten Hälfte des November 1914 Tag und Nacht ein Militärzug nach dem anderen die Eisenbahnstation berührte, um ein österreichisches Armeekorps zum Schutz der Ostgrenze nordwärts zu befördern. Mit vollen Händen wurden Offiziere und Mannschaften, die schon aus schweren Kämpfen in Galizien kamen, wie auf allen Stationen so auch hier mit Nahrungs- und Genussmitteln geradezu überschüttet, die Offiziere in den Wartesälen, in denen Büffets aufgestellt waren, die Mannschaften an den Wagen, die sie nicht verlassen durften. Der Vaterländische Frauenverein hatte seine sämtlichen Mitglieder in den Dienst der brüderlichen Liebe gestellt. Der Verbrüderungstaumel schlug hohe Wellen!

Doch auch nach der Wiedereinführung des Friedensfahrplans trat nach und nach noch manche Beschränkung ein. So war in der Zeit vom 20.02.1916 bis zum 30.04.1917 der 11 Uhr Zug  nach Namslau postalisch nicht benutzt worden, ebenso vom 25.10.1917 der Siebenuhrfrühzug nach Namslau. 

Landpostfahrt

Der Durchführung der Landpostfahrt nach den Agenturen Dammratsch und Königlich Dombrowka stellten sich im Laufe des Krieges die größten Schwierigkeiten entgegen. Hervorgerufen wurden diese durch die Erschwerung der Futterbeschaffung für das Pferd des fahrenden Landbriefträgers Gottlieb Malucha. Alle Futtermittel waren nämlich beschlagnahmt und rationiert worden. Die Zuweisung erfolgte durch die Gemeindevorstände. Das Pferd sollte nicht mehr 3 Pfund Hafer täglich bekommen. Diese Ration galt schon vom April 1915 ab. Dafür mussten als Ersatzfuttermittel Mais, Rüben, Kartoffeln, Kleie, Torfmelasse usw. gereicht werden. Aber auch diese in genügender Menge zu beschaffen, war äußerst schwierig. Da halfen nur gute Beziehungen und für diese hat erfreulicherweise der brave, jetzt längst verstorbene Malucha immer zu sorgen verstanden. Da auch die Sicherheit der Straßen im Verlaufe des Krieges immer geringer wurde, traten vom April 1915 ab dauernd Beschränkungen in der Beförderung von Wertsendungen ein. 

Die Fuhrvergütung für den fahrenden Landbriefträger hatte seit 1911 jährlich 840 Mark betragen, 1916 wurde sie auf 900 Mark unter Gewährung einer beweglichen Kriegsbeihilfe erhöht, welch letztere dann ebenso wie die Personalgeldsätze, einer ständigen Steigerung unterworfen wurde, bis die beginnende Inflation schließlich die gänzliche Aufhebung der Fahrpost unvermeidbar machte. Am 01.04.1918 wurde Malucha in den Ruhestand versetzt und die Landpostfahrt dem Landbriefträger Pollok übertragen, der sie mit Ausnahme der Zeit vom 01.04.1922 bis 31.03.1925, in welcher die Fahrpost aus den oben geschilderten Ursachen ganz ruhte, bis zur Errichtung der Kreise  ausführte. 

Botenpost

Bis zum Ausbruch des Krieges bestand außer der Fahrpost noch eine täglich einmalige Botenpost nach den Agenturen. Diese wurde jedoch bereits vom dritten Mobilmachungstage aufgehoben, am 15.04.1915 zwar vorübergehend wieder eingerichtet, am 05.11.1917 aber endgültig eingezogen. 

Landzustellung

Die Bestellung der zu Carlsruhe gehörenden 9 Ortschaften erfolgte seit 1911 in 3 Revieren werktäglich zwei-, sonntäglich einmal. Eingestellt waren hierbei die Landbriefträger Freier, Kukolka und Malucha II. Schon im Februar 1915 wurde die Sonntags-Zustellung stark eingeschränkt. 1916 wurde die werktägliche zweimalige Zustellung schon auf die 4 namhaftesten Ortschaften beschränkt und später schließlich für alle Ortschaften die einmalige Zustellung eingeführt. Erleichterungen in diesen von den Landbewohnern schwer empfundenen Maßnahmen traten erst wieder ab 09.09.1918 ein.  

Ortszustellung

Vor dem unheilvollen Krieg war Carlsruhe in der glücklichen Lage, viermal werktäglich durch die Briefträger Post zu erhalten. Dieser Vorzug war darauf zurückzuführen, dass hier eben alle Verhältnisse seit der Gründung des Ortes auf die Herzogliche Familie, die kleine Hofgesellschaft und das durchschnittlich recht gute Bürgertum zugeschnitten waren.

Schalterdienst

Die Schalterdienststunden hatten während des Krieges nur insofern eine Änderung erfahren, als der werktägliche Nachmittagsdienst vom 05.11.1917 ab infolge der immer schwieriger werdenden Beleuchtungsverhältnisse von der Zeit von 3-6 auf die Zeit von 2-5 verlegt wurde. 

Telegraphen- und Fernsprechdienst

Aus demselben Grunde trat auch vom Oktober 1917 an eine geringe Verkürzung des Telegraphen- und Fernsprechdienstes ein. Wie schon während des Krieges 1870/71, in dem, wenn auch nicht täglich und regelmäßig, sondern nur nach jedem Sieg, durch den Telegraph amtliche Kriegsnachrichten (AKN) verbreitet worden waren, so geschah dies auch während des vierjährigen Völkerringens im Weltkriege, jedoch täglich um 11 Uhr vormittags. Nur mit tiefster Wehmut kann heute dieser Einrichtung gedacht werden. Mit fieberhafter Spannung wurde das Alarmzeichen erwartet, dem die AKN unmittelbar folgten.

Solange sie Siegesnachrichten mit den ungeheuren Zahlen der Kriegsgefangenen brachten, erregten sie Stürme des Jubels und nicht schnell genug konnten sie draußen im Schaltervorraum ausgehängt und die schwarzweißrote Fahne mit dem Posthorn gehißt werden. Aber dann – wurden die Nachrichten zwar immer läbger und brachten immer mehr – zum Glück – fremdländische Ortsnamen, aber – der Jubel und die Eile hörten auf und das Herz jedes guten Patrioten krampfte sich zusammen. 

Kriegsschreibstuben

Wo von der Kriegstätigkeit der Post in der Heimat die Rede ist, darf auch eine so recht aus der Not der Zeit geborenen Einrichtung nicht vergessen werden, die überall da, wo sie mit Verständnis und Hingebung bedient wurde, überaus segenreich gewirkt hat: die Kriegsschreibstuben. Infolge einer Anregung der Postverwaltung wurden sie durch die Postämter schon im Herbst 1914 allenthalben in Stadt und Land ins Leben gerufen, um als nichtamtliche Organisation ein Bindeglied zwischen Heer und Heimat, zwischen Bevölkerung und Militär – in der Etappe, im Schützengraben und in der Gefangenschaft sowie im Lazarett – zu bilden. 

Die Carlsruher Kriegsschreibstube wurde in Erkenntnis der großen Vorteile einer persönlichen und räumlichen Verbindung mit dem Postamt der Frage des damaligen Postamtsvorstehers, Frau Olga Marsch, übertragen, von ihr gern übernommen und am 01.11.1914 in Betrieb gesetzt. Ihre Hauptaufgaben bestanden darin: 

  1. Pakete und Päckchen an Militärpersonen ordnungsgemäß zu packen, zu verschnüren und mit den Anschriften und u. A. Zollinhaltserklärungen (bei Paketen an Kriegsgefangene) zu versehen;
  2. Geldbeträge entgegenzunehmen und mittels Postanweisung oder Zahlkarte einzuzahlen.
  3. Briefe, Postkarten und sonstige Schreiben zu verfassen und zu versenden.

Bei all diesem mussten stets die neuesten, sehr häufig wechselnden Vorschriften und die Tageskurse der ausländischen Werte beachtet werden.

Die Schreibstube erfreute sich bald eines großen Zuspruchs von weit und breit, zumal feste Dienststunden natürlich nicht in Frage kamen. Aus dem ganzen Nordteil des Oppelner Kreises sowie aus dem Brieger, Kreuzburger und Namslauer Kreise kamen zahlreiche Landsleute, und zwar immer dieselben und neue mit allen möglichen Anliegen. Besonders an den Wochenmarkttagen brachten Dutzende von Leuten, meist Frauen, die verschiedensten Waren, wie Wurst, Speck, Brot, Strümpfe, Stützel, Zigarren, Tabak usw. unverpackt an, dazu Packpapier, Bindfaden und Briefumschläge aus dem Feld mit den Adressen. Alles wurde genau übernommen, im Tagebuch notiert und anschließend, wenn alle Leute weg waren, mit der Verpackung begonnen, was meist viele Stunden erforderte. Die Geldsendungen, die zwischen 2 und 50 Mark schwankten, wurden meistens durch Vermittlung der Deutschen Bank in Berlin oder des Roten Kreuzes in Genf, Malmö oder Kopenhagen versandt. Mit allen diesen Institutionen entspann sich ein reger Briefwechsel. 

Die sonstigen schriftlichen Arbeiten umfassten nicht nur die privaten Mitteilungen, sondern auch zahlreiche Urlaubsgesuche, Anträge wegen Auszahlung von Restteilen des Soldes Gefallener, wegen Sterbeurkunden, Familienbeihilfen, Renten, vor allem aber die Nachforschungen nach Vermissten. Ein Bericht aus einem Tagebuch, wurden von der Carlsruher Kriegsschreibstube in der Zeit vom 01.11.1914 bis zum 31.12.1919, also in 5 Jahren 2 Monaten, bearbeitet: 989 Pakete, 556 Päckchen, 556 Geldsendungen mit 7362 Mark und 382 Schreiben, insgesamt 2483 Einheiten. Die in ihrer Selbstlosigkeit und Gewissenhaftigkeit nicht zu übertreffende Tätigkeit der Schreibstubeninhaberin fand ihre äußere Anerkennung durch die Verleihung des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe, dessen Überreichung in feierlicher Form am 31.08.1918 durch den Amtsvorsteher, Hofrat Schmidt, erfolgte. Seit dem 27.8.1932 deckt auch diese Kämpferin auf dem heimatlichen Kriegsschauplatz, die durch ihre Arbeit draußen soviel Soldatenherzen erfreut und daheim so viele Tränen getrocknet hat, der kühle Rasen.